Sechs Jahrzehnte ist sie jetzt im Amt: Queen Elizabeth II. feiert am 6. Februar ihr 60-jähriges Thronjubiläum. Sie ist Staatsoberhaupt, hat allerdings nicht viel zu sagen. Dafür gilt die Königin als Vorbild in Sachen Pflichtbewusstsein. Tatsache ist: Die Monarchie erlebte unter ihrer Führung einen Höhenflug - trotz der vielen Skandale in ihrer Familie.
Foto: dpa
Sie soll, so geht die Legende, in einem Baumhaus in Kenia gesessen und ein Rhinozeros beobachtet haben. Es war Sonnenaufgang, und in dem Moment, als ihr Vater starb, habe, so hat ein Höfling beobachtet, hoch über ihrem Kopf ein Adler seine Kreise gezogen. Man schrieb den 6. Februar 1952. Fern in London tat König Georg VI. seinen letzten Atemzug. Gemäß der ungeschriebenen britischen Verfassung trat seine älteste Tochter unmittelbar die Thronfolge an und kletterte als Queen Elizabeth II. von ihrem Beobachtungsposten im afrikanischen Busch.
Würde ihre Herrschaft so prachtvoll und erfolgreich sein wie das erste elisabethanische Zeitalter? Damals, vor fast 400 Jahren, war das Königreich auf seinem Weg zur Weltmacht: Sir Francis Drake schlug die spanische Armada, Walter Raleigh brachte Schätze aus fernen Ländern, Shakespeare schrieb ein Meisterwerk nach dem anderen.
Das Großbritannien des Jahres 1952 war ein weit glanzloserer Ort. Das Königreich litt unter den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges, das Land war finanziell ausgeblutet. Das einst so mächtige Empire verlor eine Kolonie nach der anderen in die Unabhängigkeit. Doch als Elizabeth 1952 den Thron bestieg und 16 Monate später in der Westminster Abbey gekrönt wurde, war die Begeisterung für die neue junge Queen grenzenlos. Das farbenprächtige Spektakel der Krönung goss Balsam auf die Seele des Volkes. Man spürte: Hier war der Aufbruch.
Heute, nach 60 Jahren auf dem Thron, lässt sich sagen, dass die Herrschaft von Elizabeth II. ihre Untertanen sicher nicht ärmer gemacht hat. Die Queen erwies sich als ein Glücksfall für die britische Monarchie. Nur Queen Victoria saß länger auf dem Thron, doch wenn Elizabeth in ihrem Job bis 2015 durchhält, wird sie auch diesen Rekord übertreffen. Mancher Politiker würde seinen rechten Arm dafür geben, so populär wie die Königin zu sein. Rund drei Viertel der Briten sprechen sich derzeit für die Monarchie aus.
Als Tochter des zweitältesten Königssohnes Albert und der schottischen Gräfin Elizabeth Bowes-Lyon kam sie am 21. April 1926 zur Welt. Die Prinzessin wuchs isoliert auf - kaum Kontakt zu Gleichaltrigen, stattdessen Privatunterricht zu Hause durch eine Gouvernante. Aus ihren Kinderjahren ist überliefert, dass »Lilibet« am liebsten »einen Farmer heiraten und viele Kühe, Pferde und Kinder haben« will.
Daraus konnte spätestens dann nichts mehr werden, als die Abdankung von Edward VIII. im Dezember 1936 ihren Vater zum König beförderte. Mit zehn Jahren war Elizabeth »mutmaßliche Thronerbin«. Sie hatte Verfassungsgeschichte und Recht zu studieren, ihren Neigungen fürs Theater, Schwimmen und Reiten durfte sie in ihrer Freizeit nachgehen. Elizabeth heiratete 1947 Prinz Philip Mountbatten, den Sohn des enthronten Königs von Griechenland.
Im gleichen Jahr, an ihrem 21. Geburtstag, machte sie in ihrer ersten großen öffentlichen Rede ein Gelöbnis: »Ich erkläre vor euch, dass mein ganzes Leben, sei es kurz oder lang, dem Dienst an euch und dem Dienst an der großen imperialen Familie gewidmet sein wird.« Gemeint damit war der Commonwealth, der lose Staatenverbund ehemaliger britischer Kolonien.
Was diese Verpflichtung bedeutete, haben viele andere Royals nie begriffen: Es war das Versprechen von Selbstlosigkeit, Pflichtbewusstsein und Disziplin. Kein anderes Mitglied ihrer Familie ging so weit. Prinz Philip nicht, der zwar als Stütze seiner Frau gilt, aber gern durch geschmacklose Scherze aus der Rolle fällt, die Kinder nicht, die fast alle ihre Ehen in den Sand setzten, und die Schwiegertöchter Fergie und Diana schon gar nicht.
So erlebte Elizabeths Herrschaft durchaus auch ihre Krisen. Die 90er-Jahre bedeuteten ein einziges Desaster für die Royals mit den Skandalen um Prinzessin Diana, um Fergie und um Sophie, die Gräfin von Wessex. Kritisch wurde es 1997 mit dem Tod von Prinzessin Diana. Während das ganze Land in einen Trauerrausch verfiel, weigerte sich Buckingham Palast, die königliche Standarte auf Halbmast zu senken. Der Queen wurde Kaltherzigkeit vorgeworfen.
Doch sie hat die Kurve genommen. Man verehrt die heute 85-Jährige, weil sie ihren Job schon so lange und so makellos und immer in würdigem Stil gemacht hat. Ihr Arbeitseifer ist legendär. Die zwölf Premierminister, die sie bisher in ihrer Regierungszeit erlebte (Winston Churchill war der erste), schätzen ihre Sachkenntnis bei den dienstäglichen Audienzen.
Elizabeth ist politisches Oberhaupt von 16 Staaten: neben dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland auch der »Realms« von Kanada bis Tuvalu. Zu sagen hat sie aber praktisch nichts. Die jährliche Thronrede wird in der Downing Street geschrieben, Staatsbesuche muss die Regierung genehmigen. Nicht mal darüber, wen sie zum Ritter schlägt, bestimmt sie selbst.
Einige politische Beobachter in London meinen aber, die Regierung setze die populäre Queen gezielt zum Krisenmanagement ein. In Irland, wo sie 2011 eine ihrer heikelsten Missionen zu erledigen hatte, spricht man heute von einer »Zeitenwende« im komplizierten irisch-britischen Verhältnis. Der Monarchin hatten dafür ein Kostüm in irischem Grün und eine anständige Rede gereicht.
Queen-Biografen kamen zu dem Schluss: »Wer mit ihr zu tun hatte, hält sie für einen Menschen mit Urteilskraft und Scharfsinn.« Elizabeth II. ist tief religiös, gilt als humorvoll, aber auch als kühl. Ihr Sohn Charles soll oft über zu wenig Nestwärme geklagt haben. »Sie mag Hunde, Pferde, Männer und Frauen ? und zwar in dieser Reihenfolge«, schrieb der Queen-Biograf Graham Turner. (dpa)
Welcher Sport ist überhaupt der Richtige? Was ist besser: Joggen, schwimmen oder Krafttraining? Und kann ich als älterer Mensch auch noch mit Ausdauersport beginnen? In einer mehrteiligen Serie geben wir die Antworten.