Die Packstation nervt gewaltig
Von Ralf Grabowski
Pling, pling. Endlich kommt die ersehnte SMS. »Guten Tag Herr Grabowski. Ihre Sendung liegt in der Packstation 101« lese ich auf dem Handy. Es ist halb eins am Freitagmittag. Prima, dann bekomme ich das DHL-Paket noch vor dem Wochenende. Also rein ins Auto und quer durch die wie üblich verstopfte Innenstadt.
Genau das ist die Krux an der schönen neuen Welt des Internets. Dinge, die ich online bestelle, mit dem Laptop gemütlich auf dem Sofa sitzend, müssen irgendwie physisch zu mir kommen. Und weil ich den ganzen Tag im Büro bin, hat der Postler es schwer, mir die bestellten Weinflaschen, Bücher oder Klamotten zu liefern. Irgendwann hole ich den Kram meist doch an der Hauptpost ab.
Weil es wohl mehr Leuten so geht, hat die Post die Packstation erfunden: große gelb-graue Bauten, in denen Pakete und Päckchen deponiert werden. Lasse ich mir mein Zeug dorthin liefern, kann ich ganz lässig im Internet den Weg meines Päckchens verfolgen und werde per SMS und E-Mail benachrichtigt, sobald ich es abholen kann. Das ist sehr modern, auch wenn ich weiß, dass die Post damit eigentlich nur ihre Leute am Schalter einsparen will - wie vor ihr die Tankstellen auf den freundlichen Servicemann und die Geldinstitute auf den Bankbeamten verzichteten und ihre Kunden die Arbeit machen ließen. Aber gut, ich will dem Fortschritt nicht im Weg stehen.
Stattdessen stehe ich nun zum ersten Mal vor der Packstation und schiebe die goldene Karte in den Schlitz, gebe meine PIN ein - und nichts passiert. Das vermaledeite Ding akzeptiert die Nummer nicht. Ein weiterer Versuch, dasselbe Resultat.
Also rufe ich die selbstredend kostenpflichtige Nummer der Hotline an und schildere mein Problem. Ich erfahre, dass es wohl ein Versehen gegeben habe und meine PIN nicht gültig sei. Aber man würde sofort die neue PIN freischalten und sie per Einschreiben auf den Weg zu mir schicken. Ja, und mein Paket? Das müsse in der Packstation warten, bis ich die neue PIN habe. Ob ich denn nicht mal die Packstation ausprobiert habe in der letzten Zeit, fragt die Mitarbeiterin weiter. Ich antworte, mir sei wohl entgangen, dass die Packstation auch ein Spielautomat sei, an dem man zum Zeitvertreib mal vorbeischlendere.
Nun warte ich also auf die neue PIN. Aber ein weiteres Paket, das ist klar, wird dorthin nicht mehr geliefert werden. Ich lasse lieber wieder den Postler arbeiten und vertraue meinen netten Nachbarn, die mein Zeug in Empfang nehmen werden. Und als Dankeschön gibt's eine Einladung zu Kaffee und Kuchen. Das ist zwar nicht modern, aber praktisch. (GEA)
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