Heimat und Welt
Die Lästerspalte

Der Beipackzettel für Geldanlagen

Banken wollen immer unser Bestes. Wenn sie es haben, verstecken sie es eine Weile und holen es irgendwann wieder hervor. Dann ist es ein wenig gewachsen oder arg geschrumpft. Das Ganze nennt sich Geldanlage und ist so riskant wie die Einnahme von Arzneimitteln, bei denen man auch nicht im Vorhinein weiß, ob daran eher ein Pharmakonzern gesundet oder der Patient.
Nur folgerichtig also, dass sich nun einige Banken entschlossen haben, ihren Anlageprodukten analog zu den Medikamenten einen »Beipackzettel« zu verpassen. Wir freuen uns auf klare Ansagen:

»Sehr geehrter Kunde, bitte lesen Sie diese Packungsbeilage aufmerksam durch. Sie enthält wichtige Informationen darüber, was Sie bei der Geldanlage beachten sollten.

Was ist eine Geldanlage und wofür wird sie angewendet? Die Geldanlage dient dazu, ein kleines Vermögen zu erzielen. Voraussetzung dafür ist, dass vorher ein großes vorhanden war. In seltenen Fällen kann es umgekehrt sein. Eine Jahresdosis Geldanlage enthält: 90 Prozent Hoffnung sowie 10 Prozent Verwaltungsgebühren und Provisionen.

Wann sollte die Geldanlage nicht angewendet werden? Besondere Vorsicht ist erforderlich bei Vorschädigungen des Nervenkostüms, hohem Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen und einer bestehenden Überempfindlichkeit gegen Börsenschwankungen.

Welche Nebenwirkungen sind möglich? Sehr häufig werden Schlafstörungen und depressive Verstimmungen beobachtet, vor allem während internationaler Finanzkrisen. Häufig gibt es Hautausschläge nach der Lektüre von Wirtschaftsnachrichten, verstärkt mit Rötung und Blasenbildung bei Berichten über die Geschäftspraktiken von Geldinstituten. Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen können bei Kurstürzen auftreten; mögliche Anzeichen hierfür sind Schwellungen von Gesicht, Zunge und Kehlkopf mit Einengung der Luftwege, Atemnot, Herzjagen, Blutdruckabfall. Vor der Behandlung dieser Symptome mit Alkohol wird ausdrücklich gewarnt.

Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen: Die Verkehrstüchtigkeit ist vor allem bei der Anwendung von Geldanlagen mit hohem Aktienanteil nicht immer gewährleistet. Lassen Sie das Auto bei einem Börsencrash stehen und bedienen Sie an diesen Tagen keine Maschinen.

Heben Sie diese Packungsbeilage auf, vielleicht möchten Sie sie später noch einmal lesen. Es wird Ihnen nichts mehr nützen, wenn die Kohle weg ist. Aber Sie sehen dann jedenfalls: Wir haben Sie gewarnt.«

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