Alles transparent, oder was?
Von Gisela Sämann
Transparenz ist wichtig. Das wissen wir deshalb so genau, weil Politiker nicht müde werden, sie einzufordern: Immer dann, wenn die Akteure in anderen Geschäftsfeldern merkwürdige Praktiken anwenden. Politische Manöver hingegen sind in der Regel ohnehin eher durchsichtig.
Jedenfalls kriegen wir jetzt Transparenz am Geldautomaten, damit wir merken, wenn die Gebühren fürs Fremdabheben höher sind als das Restguthaben auf dem Konto. Der Bildschirm uns dann nicht nur wie bisher herzlich willkommen heißen und freundlich auf superrenditesichere Anlageprodukte hinweisen. Man wird uns auch wissen lassen, dass das Ausspucken der paar Kröten mit 1,95 Euro, 5 Euro oder gar mit 20 Euro zu Buche schlägt.
Die Verbraucherschützer verstehen nicht, wieso das Fremdabheben so teuer sein muss. Wir auch nicht. Vielleicht würde ein kleiner Transparenz-Zuschlag helfen - in Form einer kurzen Auflistung, wohin die Gebühr fließt: »Lieber Kunde! Von den fünf Euro, die wir Ihnen leider berechnen müssen, gehen fünf Cent fürs Befüllen der Automaten drauf und zehn Cent für den neuen Teppichboden in der Filiale (unsere Kunden haben immer so schmutzige Schuhe). Fünfzehn Cent wandern in unser eigenes Sparschwein, weil wir Banken unsere Krisen jetzt selbst bezahlen sollen. Und 4,70 Euro brauchen wir für die Manager-Boni. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Wir hoffen, Sie bald wieder an diesem Automaten begrüßen zu dürfen.«
Man darf gespannt sein, was hinter solch sagenhaften Luxus-Gebühren von 20 Euro pro Abhebung steckt, wie sie dem Verbraucherministerium schon untergekommen sind. Ist es der elegante Goldrand an der ergonomisch geformten Bestätigungstaste im Topdesign? Sind es die handgebügelten Geldscheine mit Zitrusaroma? Oder können die Edel-Automaten den Fremdabhebern Zusatznutzen bieten? »Ihre Bank informiert: Wenn Sie so weitermachen, sind Sie in vierzehn Tagen blank.« - »Liebe Kundin, Ihr Mann hat heute Vormittag schon das gemeinsame Konto um 1 000 Euro erleichtert.« - »Achtung: Das Finanzamt fordert bei der Hausbank Auskunft über Ihre Kontobewegungen!«
Wenn schon Transparenz, dann richtig.