Heimat und Welt
Die Lästerspalte

Ach ja, das Sommerloch

Von Ralf Grabowski

Es gibt ja aussterbende Begriffe. Beispielsweise »Bandsalat«, »Ferngespräch« oder »Sendeschluss«. Sie alle bezeichnen Dinge, die es gar nicht mehr gibt. In Zeiten des Internets mit seiner Dauerberieselung sollte man meinen, dass auch »Sommerloch« oder »Saure-Gurken-Zeit« dazugehören.
Weit gefehlt! Noch immer finden in den warmen Monaten obskure Geschichten ihren Weg in die Schlagzeilen. Seinerzeit, als ich jung war, war es der auf unscharfen, grobkörnigen Fotos abgelichtete Yeti oder das pünktlich im Sommer auftauchende Seeungeheuer von Loch Ness. Heutzutage tauchen pünktlich zur Sommerzeit irgendwelche Hinterbänkler aus dem Bundestag auf. Sie nutzen die Zeit zur Profilierung, während ihre Bosse im Urlaub sind.

Die Fernsehjournalistin Maybrit Illner hat eine »Top Ten der Sommerloch-Vorschläge« mit teilweise bizarren Ideen zusammengestellt. Immer noch witzig finde ich beispielsweise den Vorschlag von Hans Raidel von der CSU, der die allgemeine Wehrpflicht durch einen Losentscheid ersetzen wollte. Auch schön - und vor allem so nachvollziehbar - war die Forderung des FDP-Manns Jan Dittrich. Der schlug vor, die Fernsehgebühren im Sommer zu halbieren. Würde ich glatt unterschreiben, nur wird das »GEZahle« jetzt sowieso neu organisiert.

Mit einer aparten Forderung machte der Grüne Halo Saibold von sich reden: Künftig sollen die Bundesbürger nur noch alle fünf Jahre eine Flugreise unternehmen dürfen. Was aber, frage ich mich, machen sie in den anderen vier Jahren? Womöglich mit ihren alten Stinke-Dieseln nach Südspanien tuckern? Ob das umweltfreundlicher wäre, bezweifle ich.
Doch ich bin gespannt, was in den nächsten Jahren noch so alles an Sommerloch-Themen kommen wird. Getreu Maybrit Illners Definition (»ein guter Sommerloch-Vorschlag ist schlicht, absurd und undurchführbar«) wünsche ich mir:
- die Initiative, dass die Eisenbahn keine Verspätung mehr haben darf,
- den Gesetzesvorschlag, dass Teilnehmer eines Staus auf der Autobahn Benzingutscheine vom Verkehrsministerium erhalten (aber nur nach Vorlage eines ärztlichen Attests),
- die Forderungen der Gewerkschaft, Arbeitnehmer bei sämtlichen nationalen Events wie WM, EM oder DSDS-Finale freizustellen - selbstverständlich bei vollem Lohnausgleich sowie
- den Vorschlag, künftig den Bundespräsidenten in einer Castingshow auszuwählen und schließlich
- das Verbot, Glossen in Zeitungen mit Sommerloch-Themen zu füllen.

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Ach ja, das Sommerloch - Reutlinger General-Anzeiger - Magazin - Heimat und Welt

Heimat und Welt
Die Lästerspalte

Ach ja, das Sommerloch

Von Ralf Grabowski

Es gibt ja aussterbende Begriffe. Beispielsweise »Bandsalat«, »Ferngespräch« oder »Sendeschluss«. Sie alle bezeichnen Dinge, die es gar nicht mehr gibt. In Zeiten des Internets mit seiner Dauerberieselung sollte man meinen, dass auch »Sommerloch« oder »Saure-Gurken-Zeit« dazugehören.
Weit gefehlt! Noch immer finden in den warmen Monaten obskure Geschichten ihren Weg in die Schlagzeilen. Seinerzeit, als ich jung war, war es der auf unscharfen, grobkörnigen Fotos abgelichtete Yeti oder das pünktlich im Sommer auftauchende Seeungeheuer von Loch Ness. Heutzutage tauchen pünktlich zur Sommerzeit irgendwelche Hinterbänkler aus dem Bundestag auf. Sie nutzen die Zeit zur Profilierung, während ihre Bosse im Urlaub sind.

Die Fernsehjournalistin Maybrit Illner hat eine »Top Ten der Sommerloch-Vorschläge« mit teilweise bizarren Ideen zusammengestellt. Immer noch witzig finde ich beispielsweise den Vorschlag von Hans Raidel von der CSU, der die allgemeine Wehrpflicht durch einen Losentscheid ersetzen wollte. Auch schön - und vor allem so nachvollziehbar - war die Forderung des FDP-Manns Jan Dittrich. Der schlug vor, die Fernsehgebühren im Sommer zu halbieren. Würde ich glatt unterschreiben, nur wird das »GEZahle« jetzt sowieso neu organisiert.

Mit einer aparten Forderung machte der Grüne Halo Saibold von sich reden: Künftig sollen die Bundesbürger nur noch alle fünf Jahre eine Flugreise unternehmen dürfen. Was aber, frage ich mich, machen sie in den anderen vier Jahren? Womöglich mit ihren alten Stinke-Dieseln nach Südspanien tuckern? Ob das umweltfreundlicher wäre, bezweifle ich.
Doch ich bin gespannt, was in den nächsten Jahren noch so alles an Sommerloch-Themen kommen wird. Getreu Maybrit Illners Definition (»ein guter Sommerloch-Vorschlag ist schlicht, absurd und undurchführbar«) wünsche ich mir:
- die Initiative, dass die Eisenbahn keine Verspätung mehr haben darf,
- den Gesetzesvorschlag, dass Teilnehmer eines Staus auf der Autobahn Benzingutscheine vom Verkehrsministerium erhalten (aber nur nach Vorlage eines ärztlichen Attests),
- die Forderungen der Gewerkschaft, Arbeitnehmer bei sämtlichen nationalen Events wie WM, EM oder DSDS-Finale freizustellen - selbstverständlich bei vollem Lohnausgleich sowie
- den Vorschlag, künftig den Bundespräsidenten in einer Castingshow auszuwählen und schließlich
- das Verbot, Glossen in Zeitungen mit Sommerloch-Themen zu füllen.

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