Heimat und Welt
Die Lästerspalte

Ab 45 ist Schluss mit lustig

Von Gisela Sämann

Alt werden ist bekanntlich nichts für Feiglinge. Nach dem 50. Geburtstag erfordert schon der Gang zum Briefkasten ein gewisses Maß an Mut. Immer häufiger fischt man (dem Datenhandel sei Dank) aus dem üblichen Stapel Rechnungen die Werbesendungen von Pharmafirmen, die »der Generation 50 plus« unfehlbare Mittel gegen den körperlichen und geistigen Verfall anbieten. Mode-Versandhäuser wollen mit dem »goldenen Schnitt« die Problemzonen wegzaubern, und auch die Veranstalter ultimativer Reisen (»Immer mehr Menschen wünschen sich eine See-Bestattung«) bringen sich ins Gespräch.

Man bemüht sich noch, das alles nicht allzu persönlich zu nehmen, da schneit eines schönen Bürotages die Mitteilung einer Werbe-Agentur herein: Die Rubrik »Senioren« habe man umbenannt, verkünden die Werbefuzzis fröhlich: Die Senioren heißen ab sofort »45 plus«, weil das nun mal besser passe - produktmäßig und thematisch und überhaupt.

Empfindsamen 50-Jährigen gibt das einen Stich. Es ist nicht schön, wenn man schon seit fünf Jahren alt ist, ohne dass man was davon weiß. Und irgendwie verwundert es auch, weil 45 in Deutschland ja das Alter ist, in dem Hochschulabsolventen nach ihren Praktika den ersten bezahlten Einjahresvertrag bekommen. Sollte man ihnen da nicht noch ein bisschen Zeit gönnen, in der sie sich jung fühlen dürfen?

Aber vielleicht haben die PR-Strategen die Nase doch mehr im Wind als unsereiner und wissen, was sie tun. Die Seniorenphase, schreiben sie, beginne deshalb mit 45, weil dann »die ersten Zipperlein und Alterswehwehchen auftreten«. Da ist was dran. Ich sage nur: Gleitsichtbrille! Der Mensch verschleißt ja so schnell heutzutage. Ist vielleicht besser, wenn man die zellschützenden Anti-Aging-Kapseln (»Unterstützen Sie Ihre antioxidativen Schutzwälle«) rechtzeitig zur Hand hat.

Ich habe jene Pressemitteilung ein paar Mal kopiert. Und ich werde sie an jene Mittvierziger weitergeben, die mir mit diesem sehr speziellen Grinsen zum Fünfzigsten gratuliert haben. Die Werbeprospekte mit den Bequemschuhen, der Magnet-Bettdecke und den Pillen für ein erfülltes Sexualleben im Alter lege ich dazu.
Nein, nein, nichts zu danken!! Man hilft ja, wo man kann.

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