Heimat und Welt
Gesundheit - Allergiker sind im Hochgebirge gut aufgehoben, Hauterkrankungen bessern sich oft am Meer. Allerdings sollte man für die Therapie ein paar Wochen einplanen.

Von Anke Mirsch

Seeklima kann zum Beispiel Hauterkrankungen lindern. Foto: dpa
Seit Jahrhunderten zieht es Menschen in besondere klimatische Regionen, um dort Linderung oder Heilung ihrer Erkrankung zu erfahren. Allerdings braucht das seine Zeit: Drei Wochen Klimatherapie sind das Minimum. Bei schweren Krankheitsbildern sind sechs Wochen bis drei Monate sinnvoll. Ob die Kosten für eine Kur übernommen werden, sollte man mit der jeweiligen Krankenkasse klären. Bei entsprechender Diagnostik wird sie in der Regel positiv entscheiden. Welches Gebiet ist nun bei welchen Beschwerden sinnvoll?

Hochgebirge:
Ein herausragender »Schonfaktor« des Hochgebirgsklimas ist seine Allergenarmut. Ab 1 000 Meter reduziert sich die Anzahl der in der Luft vorhandenen Pollen und Hausstaubmilben deutlich, ab 1 600 Meter fehlen Milben ganz. Bewährt hat sich das Hochgebirgsklima deshalb unter anderem bei Pollen- oder Hausstaubmilben-Allergie sowie Asthma bronchiale, chronischer Bronchitis und zur Vorbeugung von Erkältungskrankheiten.


Der geringe Sauerstoffpartialdruck zwingt den Organismus, vermehrt rote Blutkörperchen zu bilden (Ausdauertrainings-Effekt). »Die intensive ganzjährige UV-Strahlung in Verbindung mit der kühlen Luft stimuliert zudem den Stoffwechsel, stärkt das Immunsystem, fördert die Herz-Kreislauf-Funktion und regt die Vitamin-D-Produktion an«, sagt die Professorin Karin Kraft vom Lehrstuhl Naturheilkunde am Zentrum für Innere Medizin der Universität Rostock. Patienten mit nicht allergischen Hauterkrankungen (Psoriasis, jugendliche Akne) profitieren davon ebenso wie Patienten mit Osteoporose oder saisonaler Depression.
Höhenlagen zwischen 1 000 und 2 000 Meter eignen sich gut für Kinder mit allergisch bedingten Haut- und Atemwegserkrankungen oder Schwäche und Infektanfälligkeit. Patienten mit schweren Erkrankungen und Lichtem-pfindlichkeit sollten das Hochgebirge dagegen meiden.

Mittelgebirge:
Mittelgebirgslagen gelten als reizarme Gebiete mit Schonklima. »Sie eignen sich besonders für Patienten mit chronischen schweren Erkrankungen, nicht allergischen Atemwegserkrankungen, Herz- und Gefäßerkrankungen sowie für sehr junge Kinder«, sagt Karin Kraft. Auch Patienten, die nach schweren Erkrankungen oder Operationen wieder neue Kraft schöpfen möchten, profitieren davon. Eher ungeeignet ist das Mittelgebirgsklima bei allergischen Leiden. Da sich gerade in den Tälern der Mittelgebirge im Sommer die feuchtwarme Luft staut und besonders mittags und nachmittags für Wärmebelastungen sorgt, sollte man Urlaubsorte in Hanglagen bevorzugen. Sie haben besseren Luftaustausch.

Seeklima:
Es handelt sich um ein Reizklima, das sich durch starke Winde, reine, allergenarme, kühle Luft und hohe Luftfeuchtigkeit (besonders in der Brandungszone) auszeichnet. Von April bis September kommt intensive UV-Strahlung dazu. Folgende Krankheitsbilder sind hier gut aufgehoben: Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte, jugendliche Akne, chronische Nebenhöhlenentzündung und Bronchitis, chronische Lungenerkrankungen, Asthma bronchiale, Heuschnupfen und Osteoporose. Für geschwächte, sehr empfindliche Patienten, Kleinkinder und Senioren ist die Ostsee der Nordsee wegen des milderen Klimas vorzuziehen.

Höhlenklima:
Die staub- und pollenfreie Luft unter Tage, die hohe Luftfeuchtigkeit und eine konstant niedrige Temperatur wirken antiallergisch, entzündungshemmend, schleim- und krampflösend. Bei Asthmapatienten verringern sich Anfallhäufigkeit und -schwere. Der tägliche Aufenthalt im Stollen sollte mindestens zwei Stunden betragen. (medm)

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