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Fahrbericht - »Bonsai«-SUV Suzuki Ignis hat viele pfiffige Seiten und startet clevere Charme-Offensive

Liebe auf den zweiten Blick

VON CHRISTINE KNAUER

REUTLINGEN. Wenn im Herzen ein Feuer entfacht wird, ist der Funke übergesprungen. »Ignis« - auf Lateinisch Feuer - heißt das neue Micro-SUV von Suzuki. Liebe auf den ersten Blick? Die ehrliche Antwort lautet zunächst eher nein. Vor allem der Blick auf die Heckpartie des Bonsai-SUVs ernüchtert im ersten Moment. Sie schaut abgehackt und angepappt aus, ermöglicht aber beim Fahren eine gute Aussicht nach hinten, wie sich später zeigt.

Das Gesicht des Ignis weckt deutlich mehr Sympathien beim Betrachter. Und da die Liebe auf den ersten Blick in der Regel auch nicht die beständigste ist, steigen wir einfach mal ohne Vorbehalte ein: Man sitzt angenehm erhöht im Bonsai-SUV aus Fernost, der tatsächlich noch in Japan gebaut wird und nicht im ungarischen Werk. Der Fahrersitz lässt sich auf fast 30 Zentimeter Höhe über dem Fußboden hochfahren, nach dem Motto klein aber hoch hinaus.

Aufgeräumtes Cockpit

Das Cockpit ist angenehm aufgeräumt und klar strukturiert. Waagrechte Linien geben die Formensprache vor. Drehschalter respektive -knöpfe gibt es so gut wie gar nicht in diesem Auto. Vielmehr wird mit dem Zeigefinger »getippt«. Es dominieren der große, analoge Tacho sowie - in unserem Wagen enthalten - die 7-Zoll-Touchscreen-Navigation. Zudem dient das Display als Bildschirm für die Rückfahrkamera. Die Smartphone-Anbindung ist mit Apple- und Android-Systemen kompatibel.

Ab der Club-Ausstattung bekennt sich der Ignis zur Farbe: Ein paar gezielt gewählte Elemente wie ein Teil der Mittelkonsole sind in einem poppigen Orange gehalten, was dem Inneren Pfiff verleiht. Schön ist auch die Möglichkeit der Fern-Längsverschiebung der beiden Sitze im Fond. Auf diese Weise zeigt sich der »Kurze« flexibel beim Be- und Entladen sowie beim Ein- und Aussteigen.

Platzangebot und Kopffreiheit sind erstaunlich gut im Ignis, trotz seiner überschaubaren Maße. Im Kofferraum bleibt nicht viel Stauraum übrig, aber als Reiselimousine ist der Ignis, den es optional auch mit Allradantrieb gibt, ganz sicher nicht konzipiert.

Einen konventionellen Schlüssel, der ins Schloss gesteckt werden muss, benötigt der Ignis nicht, dank Keyless Start. Ein Druck auf den Starterknopf - und los geht's.

Obschon Benziner mit kleinen Hubräumen gerne ein wenig hysterisch am Gas stehen, gibt sich diese 1,2-Liter-Maschine selten kratzbürstig. Schön wäre es jedoch, wenn es einen sechsten Gang geben würde. Erstens ist dieser als Spargang ausgelegt und zweitens neigt man in einem bestimmten Touren-Bereich dazu, automatisch nach unten rechts schalten zu wollen, dort, wo eben der sechste »Ausgleichsgang« liegt.

Mild-Hybrid-Version

Wird mehr Wert auf einen reduzierten Spritverbrauch gelegt, steht für 800 Euro Aufpreis eine Mild-Hybrid-Version des 1,2 Liter Benziners zur Verfügung. Vor allem in der Stadt lässt sich der kombinierte Verbrauch so um 0,3 Liter auf 4,3 Liter pro 100 Kilometer reduzieren, trotz Mehrgewichts von 25 Kilogramm. Diese Variante heißt »SHVS«, was für »Smart Hybrid Vehicle by Suzuki« steht. Ein Startergenerator ermöglicht die Start-Stopp-Funktion, und der Generator speichert beim Rollen oder Bremsen Energie in einer kleinen Lithium-Ionen-Batterie.

Der Trend zum individuellen Auto setzt sich auch hier durch: Den neuen Suzuki Ignis, der nach acht Jahren Pause wiederbelebt wurde, gibt es in sieben frischen Farben. Auch eine Zweifarben-Lackierung ist möglich oder ein schwarzes Dach.

Im Blick auf die Ausstattung wird es erst bei den teureren Comfort-Varianten opulenter: Dort gibt es dann die wirklich interessante Komfort- und Sicherheitsausstattung. Allerdings beginnen die gehobenen Comfort+ -Varianten preislich bei etwas mehr als 16 000 Euro. Das günstigste, abgespeckte »Basic«-Modell startet bei 12 540 Euro.

Unser erwartungsgemäß generös - um nicht zu sagen top ausgestattetes Testauto ist uns im Lauf der 14 Tage mehr und mehr ans Herz gewachsen. Mit seinen 90 PS zeigte er sich spritzig und agil. Einen Parkplatz zu finden, bereitet mit dem Ignis keinerlei Probleme. Das Feuer wurde also dennoch entfacht - Spätzünder sind manchmal vielleicht sogar die bessere Wahl. (GEA)

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