Auto
Neuvorstellung - Die vierte Generation des Kleinwagens aus Korea will mehr als nur preisgünstiger sein

Kleiner Kia Rio, aber oho!

Von Stephan Zenke

LISSABON. Zahlen, bitte: Wer sein Auto nicht geschenkt bekommt, hat schon bisher gerne einen Kia Rio gekauft. Denn die übersichtlichen Preise waren ebenso überzeugend wie die üppige Sieben-Jahres-Garantie. Doch mit der vierten Generation des Kleinwagens wollen die Koreaner nicht mehr nur billiger, sondern auch besser als die Konkurrenz sein. Allerdings ist der Weg vom Preisknüller zum Premiumprodukt ebenso weit wie die Reise von Asien nach Europa.

Der Kia Rio bietet stets vier Türen und für einen Kleinwagen reichlich Platz für Personen und Gepäck.
Der Kia Rio bietet stets vier Türen und für einen Kleinwagen reichlich Platz für Personen und Gepäck. FOTO: Stephan Zenke
Der Einstiegspreis ist nach wie vor verlockend. Ab 11690 Euro stellt Kia den Rio in einer anständigen Ausstattung vor die Haustür, bei der eigentlich nur noch die Klimaanlage (890 Euro) fehlt. Inklusive ist, was anderswo Aufpreis kostet: vier Türen, ein Radio und das Start-Stopp-System. Jenseits der Basis ist schnell Schluss mit Schnäppchen. Ausgestattet mit Assistenten, Navigationssystem und den anderen feinen Sachen, mit denen in der Rio-Reklame schicke junge Leute lächelnd durch die Gegend flitzen, stehen ganz schnell 15000 oder mehr Euro auf der Rechnung. So weit die Fakten, doch was sagt das Gefühl?

Attraktive Assistenten


Das Design wirkt wie ein Durchschnitt dessen, was gerade modern erscheint. Kia-typisch ist allenfalls der Kühlergrill in Tigernasen-Form. Ohne dieses Markenzeichen könnte der in allen Dimensionen im Vergleich zum Vorgänger minimal gewachsene Rio auch als Japaner oder Franzose durchgehen. Nicht aber als Deutscher oder Tscheche, denn dazu fehlt es ihm teilweise an Feinschliff.

Zwar bietet die Karosserie vier Insassen und ihrem Gepäck reichlich Platz, lässt aber jene Detailverliebtheit vermissen, die bei anderen Kleinwagen begeistert. Dem Koreaner fehlen Annehmlichkeiten wie Vordersitzlehnen, die sich stufenlos verstellen lassen, oder ein richtig großes Panorama-Glasdach. Hartplastik untergräbt etwas die versprochene Premium-Ausstrahlung – selbst im Spitzenmodell.

Das schicke Navigationssystem mit großem Touch-Screen macht schwer was her, unterstützt sowohl Apples Car Play als auch Android Auto, ist aber nur in den Topversionen überhaupt erhältlich. Das Paket von Assistenten gibt’s dagegen auch in den erschwinglicheren Modellen, und es ist ein echter Kauftipp. Denn für einen knappen Tausender liefert Kia mit Notbremsassistent, Spurhalteassistent sowie einer Geschwindigkeitsregelanlage mehr Sicherheit zum Sonderangebotspreis. Unter der Motorhaube rechnet sich jedoch nicht alles im Sinne des Kunden.

Von den vier Benzinern und einem Diesel im Angebot können Normalfahrer den Selbstzünder buchhalterisch gleich mal gedanklich streichen. Die im Verbrauch mit unter fünf Litern pro 100 Kilometer sparsam wirkenden 90 Pferdestärken des 1.4 CRDi sind im Einkauf mit mindestens 17490 Euro (zu) teuer. Eigentlich schade, denn der Selbstzünder fährt sich höchst angenehm. Die kostenmäßig bekömmlicheren Vierzylinder-Benziner sind brave alte Bekannte. Wirklich neu ist der Dreizylinder-Benziner mit nur einem Liter Hubraum, aber bis zu 120 PS (88 kW). Das kleine Motörchen macht großen Spaß.

Drei Zylinder plus Turbo


Wenn der Dreizylinder bei Drehzahllaune gehalten wird, liefert seine Hundertschaft Pferdestärken kräftig knurrend reichlich Durchzugskraft ab. Der Benziner ist also etwas für Menschen, die gerne im Getriebe rühren, was mit der Fünfgangschaltung auch ordentlich gelingt. Flott be-wegt, offenbart der Rio dann auch, dass sein Fahrwerk sich selbst auf kurvenreicher Strecke niemals aus der Ruhe bringen lässt, die Bremsen kräftig zupacken, und die Lenkung hübsch direkt mitspielt.

Die Rechnung für soviel Fahrvergnügen liefert der Bordcomputer dann turbo-typisch mit Verbrauchswerten über acht Litern im Cockpit ab. Wer knausern möchte, darf den Turbo nicht scheuchen, oder sollte sich gleich mal das günstigste Triebwerk der Modellfamilie anschauen. Denn mit dem 1.2-Liter Vierzylinder und 84 PS ist der Rio eigentlich ganz gut unterwegs. Der Klassiker unter der koreanischen Kleinwagenmotoren überrascht mit angenehmer Laufkultur und im Alltag vollkommen ausreichenden Fahrleistungen. Deutlich höheren Verbrauchswerten im Vergleich zum Turbo-Benziner steht ein drastisch niedrigerer Verkaufspreis gegenüber. Da kann jeder selber kalkulieren, was sich für Normalfahrer lohnt. Womit der Blick des Kaufinteressenten auf die Güte des Gebotenen fallen dürfte.

Anständige Qualität


Was seine Qualität betrifft, so macht der kleine Koreaner keinesfalls den Eindruck, nachlässig zusammengebaut zu sein. Jedoch ist zwischen preiswerten Automobilen wie dem Rio und den Klassenbesten dennoch ein spürbarer Unterschied. Anderswo schließen Türen und Heckklappen eben mit noch satterem Plopp, sind die Sitze noch bequemer oder die verwendeten Materialien noch hochwertiger.

Schließlich leistet sich der Rio auch Merkwürdigkeiten wie elektrische Fensterheber an den hinteren Türen ohne Einklemmschutz oder eine Tankklappenentriegelung im Fußraum vor dem Fahrersitz. Wie haltbar der Rio wirklich ist, wird sich erst in vielen Jahren bei TÜV oder Dekra zeigen. Bisher sind dort Autos von Kia nicht als Mängelzwerge aufgefallen. (GEA)

Das Interieur sieht schick aus, ist aber komplett aus Hartplastik.
Das Interieur sieht schick aus, ist aber komplett aus Hartplastik. FOTO: Stephan Zenke

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuelle Beilagen
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Spiele-Tipps

Hier ist Spaß garantiert

Wir testen die neuesten Brett- und Kartenspiele.
lesen »