Auto
Neuzulassungsbarometer - Die Kaufbegeisterung der Deutschen für den Diesel hat spürbar abgenommen

Fifty-fifty war einmal

VON CHRISTINE KNAUER

reutlingen. Ein Jahreswechsel geht immer einher mit dem Blick auf Statistiken. Für manche gähnend langweilig, andere wiederum ziehen wertvolle Schlüsse daraus. In der Diesel-Debatte und angesichts drohender Fahrverbote in Großstädten drängt sich schon die Frage auf, ob die Deutschen beim Neuwagenkauf bereits einen spürbaren Bogen um den Selbstzünder machen oder erst einmal abwarten. Und diese Zahlen liefert das Kraftfahrt-Bundesamt.

Etwas ratlos steht man als bisheriger Diesel-Freund schon da - auf einen Benziner umsteigen? Was, wenn der auch in Misskredit gerät? Den derzeit wenig begehrten Diesel unter Wert verkaufen, nach dem Motto bloß weg damit? Alternative Antriebe in Erwägung ziehen?

So haben die Deutschen im Jahr 2017 laut dem »Neuzulassungsbarometer« des Kraftfahrt-Bundesamts für sich entschieden: Der Anteil benzinbetriebener Pkw (57,7 Pro- zent) lag leicht über dem Vorjahresniveau (52,1 Prozent). Der Anteil dieselbetriebener Pkw wies in der Bilanz des Jahres 2017 laut Statistik nur-mehr 38,8 Prozent auf (2016 waren es noch 45,9 Prozent).

Erneuter Rückgang

Die Anzahl der Diesel-Pkw ging jetzt im Januar 2018 im Vergleich zum Vorjahresmonat erneut um 17,6 Prozent zurück. Ihr Anteil betrug aktuell nur noch 33,3 Prozent.

Die alternativen Antriebe hingegen zeigten durchgehend eine positive Entwicklung: 3 723 erdgasbetriebene (plus 14,9 Prozent) und 4 400 mit Flüssiggas angetriebene Pkw (plus 47,2 Prozent) waren zusammen mit einem Anteil von 0,2 Prozent vertreten - beim Blick auf den gesamten »Kuchen« freilich nur ein sehr, sehr kleines Stück.

84 675 Hybride (plus 76,4 Prozent), darunter 29 436 Plug-in-Hybride (plus 114,2 Prozent) bildeten insgesamt einen Anteil von immerhin 2,5 Prozent. 25 056 Elektro-Pkw mit einem Anteil von 0,7 Prozent wiesen eine Steigerung von 119,6 Prozent auf.

Wenn man in Sachen Diesel-Statistik bis 2015 zurückgeht und die Werte dort recherchiert - beispielhaft am Monat Dezember - so waren damals von 116 894 registrierten Neuzulassungen immerhin noch fast die Hälfte (47,3 Prozent) Dieselautos. Dies entsprach einem Zuwachs von 4,7 Prozent gegenüber dem Dezember 2014).

Welt noch in Ordnung

Da schien die Welt der Selbstzünder - respektive die deren Lenker - noch in Ordnung zu sein. Jetzt gelten sie als Luftverpester: Feinstaub, Kohlenwasserstoff, Stickoxide - das sind Stoffe, die zumindest ältere Dieselautos im Übermaß ausstoßen.

Für die Besitzer von Diesel-Autos liegt der Vorteil dieser Antriebsart im Vergleich zum Benziner beim geringeren Spritverbrauch, speziell bei Langstrecken, und dies trotz höherer Anschaffungskosten. Hinzu kommt die Drehmomentstärke des Diesels.

Autos, die seit September 2017 neu zertifiziert wurden, müssen die sogenannte Abgasnorm Euro-6d-TEMP erfüllen, die im Grunde auf ähnlichen Grenzwerten wie die Euro-6-Norm basiert. Jedoch gilt jetzt ein neues Testverfahren, bei dem die praktizierte Toleranz deutliche Einschränkungen erfährt. Euro6d soll ab 1. Januar 2020 gelten.

Fazit der kleinen »Diesel-Recherche«: Die Einbrüche bei den Neuzulassungen sind zwar nicht wirklich erdrutschartig, aber sie sind spürbar, und die Zeiten, wo Dieselfahrzeuge wie zuletzt 2015 knapp die Hälfte aller Neuverkäufe hierzulande ausmachten - also fifty-fifty - scheinen vorbei zu sein. (GEA)









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