Messe - E-Bikes und Pedelecs haben bei der 19. Eurobike Hochkonjunktur - Leidenschaft ohne Leiden
Elektrorad zum Porsche-Preis
VON WOLF-D. GENTNER
FRIEDRICHSHAFEN. Nicht einmal das ziemlich miese Durchschnittswetter dieses Jahres konnte der Bikerbranche etwas anhaben: »Der deutsche Fahrradmarkt war im ersten Halbjahr 2010 auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums«, bilanziert Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV).
Ob nun mit Elektroantrieb oder mit reiner Muskelkraft: Im Fahrrädern steckt jede Menge Hightech. FOTO: MESSE FRIEDRICHSHAFEN
Beim Branchengespräch im Rahmen der 19. internationalen Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen, dem sich ein ereignisreicher Demo Day im Allgäu anschloss, herrschte deshalb eitel Sonnenschein. Mit dem Publikumstag (9 bis 18 Uhr) geht die viertägige globale Leitmesse am heutigen Samstag zu Ende.
2 662 000 »Drahtesel«, nahezu ebenso viele wie im ersten Halbjahr 2009, fanden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Abnehmer auf dem deutschen Markt. Auf Vorjahresniveau bewegten sich auch die Fahrradproduktion (1 556 000 Einheiten) und die Einfuhren (1 680 000).
Besonders gefragt sind neuerdings die Räder mit Elektroantrieb: Bis zum Jahresende kalkuliert der ZIV mit einem Absatz von rund 200 000 »motorisierten« Velos. Damit würde die Verkaufsprognose um 20 000 Exemplare übertroffen.
Neuheiten-Feuerwerk
Viele Prominente des Radsports gaben sich ein Stelldichein: Der Belgier Eddy Merckx, der wohl bedeutendste Rennfahrer aller Zeiten, war ebenso gekommen wie Alberto Contador aus Spanien, der heuer seine dritte Tour de France gewann. Deutschlands Sprint-Ikone Erik Zabel und andere deutsche Topfahrer dokumentierten mit ihrer Anwesenheit den Stellenwert der Produktschau, die ein wahres Feuerwerk der Innovationen abbrannte: Über 300 Welt- und Europa-Premieren werden präsentiert.
Ein zentraler Themenbereich gebührt der Elektromobilität auf zwei Rädern, die von der kaum beachteten Nischenerscheinung zum Megatrend mutiert. Jüngere Pedaleure sind mittlerweile nicht mehr verblüfft, wenn sie von Radlern gesetzteren Alters überholt werden: Diese erfreuen sich zumeist einer kräftigen Elektrounterstützung.
Dass diese gerne akzeptiert wird und das Seniorenrad-Image passé ist, ermuntert die Industrie zu nachhaltigen Anstrengungen. Sogar der bedeutende Automobil-Zulieferer Bosch hat sich mit neuen Antriebssystemen in die Produzenten-Phalanx eingereiht.
Pedalec mit Anhänger
»Es ist doch gut, wenn der Leidenschaft die Leiden genommen werden«, scherzt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad. Zutreffend ist dies schon für den Bereich der Pedelecs (Pedal Electric Cycles), Räder mit elektrischen Hilfsmotoren, die den Fahrer beim Treten unterstützen. Viel Neues war am Bodensee zu sehen.
Zum Beispiel das Pedelec »Family Life« von Winora mit Anhängerkupplung, gedacht für Paare, die Kinder und Gepäck auf Kurzstrecken transportieren. Oder der »Iphos Pro« von Hercules mit Shimano-Ausstattung, der eine Trekking-Tour bis 100 Kilometer erlaubt und ab 2 900 Euro zu haben ist.
Vielfältig ist die Produktpalette der E-Bikes, deren Aggregate keiner Pedalunterstützung bedürfen und bei Bergfahrten und Gegenwind ein wahrer Segen sind. Innerhalb einer breiten Preisspanne werden City-, Touren-, Trekking- und Mountainbikes, Liege- und Falträder angeboten.
Der »Hammer« in dieser Sparte und das Formel-1-Modell unter den E-Bikes ist der »Black Trail«, den die Regensburger Firma PG auf 667 Exemplare limitiert hat. Für das pechschwarze, ultraleichte Carbonrad, das für eine Spitze von 100 km/h gut sein soll, sind sage und schreibe 59 500 Euro hinzublättern - für diesen Preis gibt's auch einen gut bestückten Porsche Boxster . . .
Groß geschrieben wird in der Branche das Thema Sicherheit. Neuheiten wie ein Tagfahrlicht mit zusätzlichen Leuchtdioden unter den Scheinwerfern, Leuchtwesten, die Helligkeit bei Sonnen- und Kunstlicht speichern, Helme im Nadelstreifendesign und Basecap-Look oder Sättel mit komfortablen Gel-Kissen sind nur einige Trendsetter, die bei der Eurobike Beachtung finden. (GEA)
Ob nun mit Elektroantrieb oder mit reiner Muskelkraft: Im Fahrrädern steckt jede Menge Hightech. FOTO: MESSE FRIEDRICHSHAFEN