Auto
Neuvorstellung - Schöner, schneller, teurer: Der neue 911 Turbo S ist zurzeit der stärkste Serien-Porsche

Das verschärfte »S«

VON MARION SCHRADE

Stilvoller Luxus: das 911 Turbo S Coupé. FOTO: PR
ZUFFENHAUSEN. Abends auf dem Sofa beim »Wer wird Millionär?«-Gucken stellt man es sich heimlich vor. Dass man auch mal da auf dem Stuhl sitzt. Und Günther Jauch einem die berühmte Frage stellt: »Für was würden Sie die Million ausgeben?«

Vielleicht wäre man erst mal bescheiden und würde behaupten, dass man das Geld für die eigene Rente gut anlegen würde. Das fänden Papa und der Rest der Welt ausgesprochen klug und vernünftig. Vielleicht würde man vorsichtig hinzufügen, dass man sich jetzt auch mal eine schöne Reise gönnen könnte, die ausnahmesweise nicht aus dem All-Inclusive-Pauschalurlaubskatalog rausgesucht wird.



Wäre man aber so richtig ehrlich, müsste man gestehen: In der Garage würde dann ein »Zuffi« stehen. Mit vielen PS für noch viel mehr Geld. Sowas ist purer Luxus, natürlich. Schon Ferdinand »Ferry« Porsche hat einst trocken bemerkt: »Porsche baut Autos, die keiner braucht, aber jeder will.«

530 PS für 1,6 Tonnen

Das kann man wohl so sagen - auch über den neuen 911 Turbo S. Der »Neun-Elfer« ist legendär. Carrera, Targa, Turbo. Schöner, schneller, teurer. Um Steigerungsmöglichkeiten ist man in Zuffenhausen nie verlegen. Deshalb wurde nun auch der Turbo mit dem berühmten »S« nochmal verschärft: Die neue 911-Topversion hat 530 PS - exakt so viel wie der legendäre 911 GT 2. Den Sprint aus dem Stand von 0 auf 100 schafft der 1,6 Tonnen schwere Sportler in 3,3 Sekunden.

Sozusagen die Benchmark für alle Rennsemmeln ist die Nordschleife am Nürburgring: Der Turbo S packt die Runde laut Porsche in sieben Minuten und 37 Sekunden. In die Verlegenheit, selbst mal auszuprobieren, ob das überhaupt stimmt, kommt man wohl eher selten. Der Alltag findet nun mal nicht auf der Nordschleife, sondern auf der Goethestraße, in der 30er Zone und im Parkhaus statt. Man könnte höchstens mal zum Spaß die Stoppuhr stellen, wenn man mal eben rüber zum Bäcker fährt.

Die Spitzengeschwindigkeit des 911 Turbo S wird für viele Fahrer reine Hypothese bleiben - die möglichen 315 km/h kann man auch auf deutschen Autobahnen wohl kaum ausfahren. Es sei denn, man gönnt sich den einen oder anderen Tag auf der Rennstrecke. Das dürfte für die Käufer des neuen 911er-Familienmitglieds kein großes Problem sein: Wer den Preis für das Auto aufbringt, zahlt die Rennrunden aus der Portokasse.

In der Coupé-Version kostet der Turbo S stolze 173 241 Euro, Oben-ohne-Fans müssen für das Cabrio 184 546 Euro hinlegen. Das berühmte »S« muss dem Kunden summa summarum 20 000 Euro Mehrpreis im Vergleich zum »normalen« Turbo wert sein.

In diesem Preis ist dann aber auch so ziemlich alles drin, was ein Sportwagen so braucht. Der 6-Zylinder-Bi-Turbo-Boxer-Motor holt aus 3,8 Litern Hubraum 530 PS raus - und damit 30 PS mehr als der 911 Turbo ohne S. Der »normale« Turbo-Fahrer darf selber schalten, für den S-Käufer gibt's statt dessen serienmäßig ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Der Allrad-Antrieb ist nicht nur für den Spaß zuständig, sondern auch für die Stabilität. Zudem sorgt das Porsche Torque Vectoring (PTV) mit mechanischer Hinterachsquersperre und variabler Momentenverteilung an der Hinterachse durch gezielte Bremseingriffe am kurveninneren Hinterrad dafür, dass der Wagen nicht ausbricht. Das macht nicht nur auf nassen oder schneebedeckten Straßen Sinn, sondern verbessert auch die Fahrdynamik in Kurven, die man getrost zackig anfahren darf - fühlt sich an wie auf Schienen.

Knackig bis komfortabel

Das Fahrwerk des neuen Turbo S entspricht weitgehend dem des Turbo. Ein variables Dämpfungssystem ermöglicht verschiedene Abstimmungen von knackig bis komfortabel - je nachdem, ob man über die Nordschleife brettern oder bei der Sonntagsausfahrt vergleichsweise gemütlich dahinzuckeln will.

Serienmäßig ist auch - das unterscheidet den S vom klassischen Turbo - die Keramik-Bremsanlage PCCB. Die mit den berühmten gelben Bremssätteln also, die so schön angriffslustig durch den Felgenstern blitzen.

A propos Farbe: Ob eine eisblaue Karosserie zum steingrauen Verdeck und zu den gelben Bremssätteln passt oder ob es doch lieber Racing-Green sein soll, ist Geschmackssache. Und darüber, ob man ein paar Euro extra in farbige Sicherheitsgurte, Lenkradheizung oder lederbezogene Gurtschlösser investieren will, sollte man vielleicht wirklich erst nachdenken, wenn Günther Jauch die Million aufs Konto überwiesen hat. (GEA)



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