Heimat und Welt
Studie - Viele Kinder tragen zu große oder zu kleine Schuhe. Das verursacht Schäden. Regelmäßig messen beugt vor

Gesunde Füße von Anfang an

Von Elke Schäle-Schmitt

Noch ist alles in Ordnung. Aber im Erwachsenenalter leidet die Hälfte der Deutschen unter Fußschäden. Foto: DSI
Ein Wunderwerk aus 28 Knochen, 107 Bändern und 19 Muskeln ist der menschliche Fuß. Längs und quer gewölbt, im Wesentlichen auf Ferse, äußerem und innerem Ballen ruhend, ist er stabil genug, das Körpergewicht auf relativ kleiner Fläche zu tragen. Erst dadurch wird der aufrechte Gang auf zwei Beinen möglich.
Bei 98 Prozent aller Neugeborenen ist dieses »Wunderwerk« gesund, dagegen weisen mehr als die Hälfte der Erwachsenen Fußschäden wie Hammerzehen oder Spreizfüße auf. Solche oft schmerzhaften Veränderungen sind vermeidbar, sagt Dr. Claudia Schulz vom Deutschen Schuhinstitut, und zwar mit den richtigen Kinderschuhen. »Richtig« heißt: aus leichten, flexiblen, atmungsaktiven und schadstofffreien Materialien ? vor allem aber passgenau, denn Kinderfüße sind noch weich und formbar.

Eigentlich ist Deutschland in puncto Kinderschuhe eine Insel der Seligen. Seit über vierzig Jahren gibt es hier das weltweit einzigartige WMS-Maßsystem. Das ist laut Claudia Schulz ein Gütesiegel, das die lizenzierten Hersteller zu hohen Qualitätsstandards verpflichtet und auf das sich Eltern seit Jahrzehnten aus gutem Grund verlassen. Mit seinen drei verschiedenen Weiten bietet es für rund 95 Prozent der Kinderfüße den passenden Schuh, wie lang, kurz, breit, schmal, hoch oder flach sie auch sein mögen. »Außerdem sind wir«, so Dagmar Krause vom Betzinger Schuhhaus Nestel, »in Deutschland sehr verwöhnt mit dem Angebot im Größenbereich 36 bis 42. In anderen Ländern ist oft bei Größe 35 Schluss.«



Und doch belegt der deutsche Kinderfuß-Report, für den das Institut für Sportmedizin der Universität Potsdam die Füße von 10 773 Kindern gründlich vermessen hat, dass fast jedes zweite Kind Schuhe trägt, die nicht richtig passen. Das Verblüffende daran: Im Unterschied zu früheren Messungen, bei denen die Mehrzahl der Schuhe zu klein war, erwiesen sich diesmal über vierzig Prozent als zu groß, und zwar um bis zu drei Nummern. Versuchten Eltern früher, ein Paar Kinderschuhe einzusparen, indem sie den Nachwuchs noch eine Weile in zu knappem Schuhwerk herumlaufen ließen, werden heutzutage offenbar bewusst Schuhe zum »Hineinwachsen« gekauft.

Dabei sind zu große (vor allem zu weite) Schuhe genauso schädlich wie zu kleine. Der Fuß ist beim Gehen durch die Abrollbewegung zwar um rund sieben Millimeter länger als beim Stehen, weshalb ein passender Schuh vorn eine »Zugabe« aufweist: genügend Platz, in den sich der abrollende Fuß ausdehnen kann. Ist der Schuh zu weit, rutscht der Kinderfuß jedoch in diese Zugabe hinein, sodass die Zehen bei jedem Schritt gestaucht werden - genau wie in einem zu kurzen Schuh. Außerdem ist die Zugabe in einen passgenauen WMS-Schuh bereits eingebaut. Ein um eine oder gar mehrere Größen zu langer Schuh behindert nur die natürliche Abrollbewegung.

Für eine gesunde Entwicklung ist es deshalb wichtig, die Füße regelmäßig im Fachgeschäft messen zu lassen: Am besten jedes Vierteljahr, da sind sich Claudia Schulz und Dagmar Krause einig. Bei Zweijährigen können die Füße bis zu zwei Zentimeter, also etwa drei Nummern im Jahr wachsen, und auch die Füße Siebenjähriger legen noch um zehn bis fünfzehn Millimeter zu.

Für das WMS-System selbst haben sich aus der Studie ebenfalls wichtige Erkenntnisse ergeben: Kinderfüße sind tendenziell breiter geworden. Zwar liegt der Anteil schmaler Füße seit den 60er-Jahren nahezu gleichbleibend bei 18 Prozent, die Anzahl der breiteren Füße hat sich jedoch erhöht. An diese Gegebenheiten wurde das WMS-System inzwischen angepasst: Der Bereich »Schmal« blieb unverändert, die mittlere Weite deckt nun auch etwas breitere Füße ab, und der Bereich »Weit« wurde ausgedehnt - damit Eltern auch in Zukunft passgenaue, gesunde Schuhe für ihre Sprösslinge finden. Doch selbst der ideal sitzende Schuh ist noch zu toppen: »Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich barfuß laufen«, empfiehlt das Deutsche Schuhinstitut. (GEA)

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