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INTERVIEW - Teufelskreis Magersucht: Eine ZmS-Reporterin hat sich mit einer Freundin unterhalten, die betroffen war

Dünn sein – und zwar um jeden Preis

TROCHTELFINGEN. Durch das verfälschte Erscheinungsbild von extrem schlanken Models im Fernsehen und in Zeitschriften kommt es immer häufiger vor, dass junge Mädchen sich »Magermodels« zum Vorbild nehmen. Was sie allerdings nicht wissen ist, dass gerade in der Werbebranche vieles mit Bildbearbeitungsprogrammen zurechtgeschnitten wird. Abbildungen in Modezeitschriften von superdünnen, hübschen Models können bei unsicheren Jugendlichen schlimme Schäden verursachen. ZmS-Reporterin Melissa Oßwald hat sich mit einer jungen Frau unterhalten – Vanessa (20) – die selber Opfer des Magerwahns gewesen ist.

ZmS: Im welchem Alter ist die Magersucht aufgetreten?

Vanessa: Als das Ganze angefangen hat, bin ich grade 16 geworden.

Wie kam es zur Magersucht?

Vanessa: Während der Pubertät habe ich mehrere Kilos zugenommen, obwohl ich davor immer relativ schlank war. Irgendwann haben mich mehr und mehr Leute darauf angesprochen und dann hat sich ein Schalter im Kopf umgelegt. Von jetzt auf nachher hab’ ich mir in den Kopf gesetzt, ich sei zu dick – ich wollte auf mein altes Gewicht kommen.

»Ein Apfel am Tag und nur stilles Wasser, an guten Tagen eine Cola light und ein Müsli« §§ Was hast Du unternommen, um abzunehmen?

Vanessa: Zuerst habe ich im Internet nachgeschaut, was eigentlich mein Idealgewicht ist und war erstaunt: Bei einer Größe von 1,66 Metern war mein Gewicht von 51 Kilo genau richtig, sogar noch unter dem normalen BMI. Aber trotzdem fühlte ich mich unwohl und wollte abnehmen. Die Frauen im Fernsehen waren auch so toll dünn und hatten lange schlanke Beine. Genau so wollte ich auch sein und machte eine Radikal-Diät. Das heißt: dünn sein – und zwar um jeden Preis. Ein Apfel am Tag und nur stilles Wasser, an guten Tagen mal eine Cola light und ein Müsli und ganz viel Sport, um vom Hunger abzulenken.

Melissa: Welche gesundheitlichen Folgen hast Du davongetragen?

Vanessa: Zuerst mal war ich immer müde und schwach. Alltägliche Sachen wie Haushalt sind mir nach einer Weile schwergefallen. Ich konnte mich kaum konzentrieren, meine Gedanken waren immer nur bei dem einen Thema: Essen und Kalorien zählen. Mir war immer kalt, sogar im Sommer bin ich mit einem dicken Pulli rumgelaufen – und von den psychischen Schäden will ich gar nicht erst anfangen. Das ist glaube ich das Schlimmste an der ganzen Sache gewesen. Auf Dauer habe ich gemerkt, wie sehr mir das Ganze zugesetzt hat, selbst nach vier Jahren habe ich immer noch einen enormen Eisenmangel, brüchige Nägel und Haarausfall.

Inwiefern psychische Schäden?

Vanessa: Ich würde es mal so sagen: Wenn man in dem Teufelskreis erst mal drin ist, ist es umso schwerer, da allein wieder rauszukommen. Vor allem habe ich das alles erst gar nicht wirklich realisiert, für mich war das eine normale Diät, aber meine Eltern haben glücklicherweise schnell gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich hab mich zurückgezogen und war sozusagen in meiner eigenen Welt, meine Freunde habe ich vernachlässigt, meinen damaligen festen Freund habe ich von mir gestoßen, weil ich mich selber in meinem Körper unwohl fühlte. Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, würde ich sagen, ich war eine richtige Einzelgängerin und habe viele gute Freunde verloren.

Wie bist Du wieder aus diesem Teufelskreis rausgekommen?

Vanessa: Meine Eltern drohten mir mit Zwangseinweisung, das hat mich anfangs kalt gelassen, bis mich meine Mutter zum Psychologen geschleift hat. Nach mehreren Gesprächen und Recherche im Internet habe ich mir fest vorgenommen diese Zeit hinter mir zu lassen, aber das war leichter gesagt als getan. Im Großen und Ganzen hat sich die Magersucht fast zweieinhalb Jahre hingezogen, bis ich ohne Bedenken wieder essen konnte, was ich wollte.

§§ »Richtige Männer stehen auf Kurven – nur Hunde spielen mit Knochen«
 
Was würdest Du jungen Mädchen raten, die in derselben Situation sind, wie Du es warst?

Vanessa: Dass sie die Hilfe von den Eltern annehmen sollen und sich immer vor Augen halten sollen, dass man nur einmal lebt und Essen eines der tollsten Dinge sein kann, wenn man es genießt. Eine schöne Figur bekommt man nur durch Sport und nicht durch Hungern. Und wie heißt es so schön: Richtige Männer stehen auf Kurven – nur Hunde spielen mit Knochen.

Diesen Artikel widme ich allen jungen Frauen und Mädchen, die das gleiche Schicksal teilen wie meine Interviewpartnerin und Freundin Vanessa K. (ZmS)

Melissa Oßwald, Klasse 10, Werdenbergschule GWRS Trochtelfingen



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