Leserreisen
GEA/DAV-Wanderreise - Hochgefühle am Wilden Kaiser und in den Kitzbüheler Alpen

Wer richtig frühstückt wandert trockener!

VON IRIS GOLDACK

Vor der viertägigen Wanderreise steht das Packen und bei dem Wetter kann sich von Spaghettiträger-Top bis zur Daunenjacke alles im Gepäck von 60 Wanderwilligen befinden. Um 5.30 Uhr landet alles im Reisebus und los geht’s. Von Reutlingen nach Tirol, zum Wilden Kaiser und in die Kitzbüheler Alpen.

GEA Wanderreise Wilder Kaiser und Kitzbüheler Alpen
Atemberaubender Weitblick. FOTO: MARTIN WESSELY
In der Ausschreibung steht als erste Wanderung die »Steinerne Stiege«, die steil an der Straße zwischen Kufstein und Scheffau liegt. Insgesamt drei Wanderleiter des Reutlinger Alpenvereins begleiten die GEA-Leser, deren Chef-Organisator Rolf Wizgall gibt kurz vor Ankunft übers Bus-Mikrofon durch, dass wir mit einer Plan-B-Wanderung starten: Hier hat es reichlich geregnet und die Wanderer auf tropfnassen Steinstufen steil hinaufzuführen wäre riskant. So treffen wir an anderer Stelle unsere vierte Bergwanderführerin, die Tirolerin Gaby Schuler, die uns die nächsten Tage für ihre Heimat begeistern will. Unser Ziel, der Hintersteiner See, bleibt, wir nähern uns ihm lediglich auf anderer Route, über die wildromantische Rehbachklamm. Diese führt ordentlich Wasser, es duftet herrlich und der Waldweg federt so, dass der Aufstieg nahezu mühelos scheint. Gaby Schuler legt ein ordentliches Tempo vor, hält irgendwann an und erklärt uns, dass es ganz schön laut ist im Wald. Wir hören hin, stimmt. Doch anders als der Zivilisationslärm, haben diese Naturgeräusche und -eindrücke eine gesunde, sogar heilende Wirkung, zusammengefasst unter dem Begriff »Biophilia«.

Waldgeräusche tun uns gut


Am Ausgang des Waldes sticht die Sonne auf freier Fläche durch den Wolken-Mix. Während einer Trinkpause kommt das Gespräch auf Kufstein und wir erfahren, dass das Kufsteiner Lied in den 1980ern zum bekanntesten Volkslied aller Zeiten gewählt wurde. Der Hintersteiner See hätte ebenfalls ein eigenes Lied verdient: Türkis- bis tiefblau und smaragdgrün, so changiert der glasklare Bergsee, mit 36 Metern an seiner tiefsten Stelle. Forellen schwimmen nahe am naturbelassenen Ufer, das um diese Jahreszeit kaum bevölkert ist. Bikini oder Badehose aus dem Rucksack zaubern, das wäre jetzt richtig; uns bleibt nur die Einkehr mit Seeblick. Wir steigen über die Seebachklamm ab, über offenes Gelände gelangen wir zum Dorfplatz in Scheffau. Dort steht, wie zur Erfrischung bestellt, ein Eiswagen, den wir belagern, bevor wir in unser Stützpunkthotel nach Kirchberg fahren.

Der nächste Morgen ist grau und verregnet. Dachten wir alle daheim, mit der Distanz entkommen wir dem Regen, so ist dem nicht so. Wir sollen langsamer frühstücken, es geht eine halbe Stunde später los – kleine GEA-Lämpchen werden verteilt und ein paar Strickmützen, falls es zu kalt wird. Und das ausgerechnet heute, wir wollen doch auf die Hohe Salve, einen der schönsten Aussichtsberge der Alpen. In Hopfengarten fahren wir mit der Salvenbahn bis zur Mittelstation und reiben verwundert die Augen. Kein Regen und der Blick nach oben verheißt Sonne über den restlichen Nebelschwaden. Vor uns liegen noch 600 anstrengende Höhenmeter bis zum Gipfel auf 1829 Metern.

Der Weg führt an Pumpspeicherseen vorbei und wir lernen, dass diese im Winter die unglaubliche Zahl von 1.600 Schneekanonen speisen und quasi mit modernster Technik Österreichs größtes zusammenhängendes Skigebiet bei Schneemangel auspusten.

Agressive Almkuh greift an


Krawalliges Fleckvieh begegnet uns, zwei gut genährte Kühe stehen provozierend im Weg. Ein freundlicher Wortwechsel bewegt nichts. Mit streicheln lösen wir das Gegenteil aus – eine Kuh greift an. Zum Glück ohne Hörner, erwischt sie doch glatt Wander-Chef Wizgall an der Schulter. Das Grüppchen ist ordentlich eingeschüchtert und bedient. Da traut sich einer unserer Wanderer aus der Deckung, rudert wild mit den Armen, geht unbeirrbar auf die Viecher zu und lässt dabei Töne raus, die diesen Almkühen suspekt sind. Uns stockt der Atem. Die zwei Kühe flüchten. Später sagt er über seinen Erfolg: »Ich habe die GEA-Mütze auf, da haben die gewusst, ich bin der Chef!«

Auf dem höchsten Gipfel der Region Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental, der Hohen Salve, werden wir mit einer weiten Rundumsicht belohnt, auch wenn wir nicht die 70 Dreitausender sehen können, die bei bester Sicht bestimmt einen prachtvollen Ausblick bieten. Gaby Schuler zeigt dorthin, wo das fiktive Haus des »Bergdoktors« aus der gleichnamigen TV-Reihe steht. Wir sind nah an den Drehorten für eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Fernsehserien und treffen auf Fans, für die eben dieser Teil Tirols mit den Orten Ellmau, Söll, Scheffau und Going das persönliche Hollywood darstellt.

Zeit für eine ausgiebige Rast im Gipfelrestaurant, das für schwindelfreie Wandersleut’ eine drehbare Terrasse anbietet, auf der sich selbige für die Dauer eines Weißbiers um 360 Grad drehen. Alle paar Sekunden verändert sich die Aussicht von eben und mit Wolkenbergen und Nebelfetzen sieht es so aus, als würden Riesen ihren Waschtag halten.

Österreichs höchstgelegene Wallfahrtskirche findet sich ebenfalls hier oben. Bis heute erhoffen sich Pilger hier oben Hilfe bei Kopf- und Geisteskrankheiten zu finden, junge heiratswillige Frauen pilgern herauf und bitten um Unterstützung bei der Auswahl des richtigen Ehepartners. Gepilgert sind wir nicht, aber bei über 19000 Schritten am heutigen Tag fühlt sich das so an …

Grandiose Gipfelparade


»Ich sage es gerade an jedem Tisch, wir wollen früher los, so zehn Minuten«, dieser Satz löst eine beschleunigte Frühstücksaufnahme aus. Später am Tag nennen wir den Antreiber respektvoll Rolf »Wetterguru« Wizgall, weil uns diese Eile vor größerer Durchnässung bewahrt. Die eher sanften Kitzbüheler Alpen von gestern tauschen wir gegen die schroffen Kaiserberge ein, die parallel verlaufend, nur ein Tal voneinander trennt. Der Bus bringt uns zur Wochenbrunneralm, von wo aus wir anspruchsvoller als am Vortag zur Gruttenhütte aufsteigen, erst durch Mischwald, dann über ein Schuttfeld, bevor wir zu einer mit Felsen durchsetzten Latschenkieferzone gelangen. Bei 60 Wanderern ist hier ein unterschiedliches Tempo vorprogrammiert, die beiden ebenfalls aus Reutlingen mitgereisten Wanderleiter des Alpenvereins, Hans-Martin Haas und Karin D’Ettore, haben ihre Abschnitte fest im Überblick.

Hier oben angekommen bietet sich ein atemberaubender Weitblick: Loferer Steinberge, Kitzbühler Horn, der große Rettenstein, die Hohe Salve, die schneebedeckten Tauern mit dem Großvenediger, ein Schwenk zu den Zillertaler Alpen – einfach herrlich! Ein paar Trittsichere steigen weiter auf das Gruttenköpfl, der einen noch besseren Blick in die steilen Wände des Ellmauer Halts freigibt, dem höchsten Punkt des Kaisergebirges (2344 Meter). Und wie krönt man am Wilden Kaiser den Tag? Mit typischer Tiroler Hüttenkost, die wir uns auf der höchstgelegenen Alpenvereinshütte im Kaisergebirge schmecken lassen. Beim Abstieg machen wir einen Abstecher zum Ellmauer Steinkreis, einer Steinformation, bei der jeder Mensch »seinen Stein« findet und die spürbare Energie des imposanten Berges auftanken kann. Friedlich gestimmte Kühe sind schon dort und haben ohne uns zu meditieren begonnen. Was unsere Bergfreunde meditieren und dabei spüren, wird geheim bleiben – doch irgendeiner hat dabei offenbar an Niederschlag gedacht – denn es beginnt zu regnen. Macht uns nichts, wir ziehen uns bunt an, spannen Regenschirme auf und kehren kurz darauf in der beliebten Wochenbrunneralm ein.

Am Abschlusstag, Regen total. Prognose: Es bessert sich heute erst, wenn wir schon wieder auf der Heimreise sind. Das bedeutet in Ruhe frühstücken, pünktlich zur letzten Wanderung abfahren. Und genau hieran scheiden sich die Geister. Es gibt die Wanderer-Fraktion, die sagt »Wir wandern, ich bin entsprechend ausgestattet«, die andere Fraktion, die sagt: »Im Regen um einen See laufen?, können wir nicht heimfahren?«, und diejenigen, die sich einfach anpassen und hinterher sagen: »Ganz ehrlich, daheim hätte ich nicht mal meinen Hund rausgeschickt, aber gut gegen Regen gerüstet, hatte die Umrundung des Walchsees etwas Meditatives.« So enden vier Tage in Tirol wieder mit einer Plan-B-Wanderung, aufgrund des Wetters. Im Bus nach Hause sind später alle zufrieden: mit der eigenen Wanderleistung und einmal mehr mit der hervorragenden Organisation. (igo)


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Wilder Kaiser und Kitzbüheler Alpen

GEA-Wanderreise

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