Leserreisen
GEA-Leserreise - Geschichte und Natur auf der größten Mittelmeerinsel

Siziliens Antikes Erbe

VON STEPHAN KÖRTING

An einem regnerischen Sonntag geht es am frühen Nachmittag zum Stuttgarter Flughafen und mit etwas Verspätung nach Catania. Unser Hotel liegt in Giardini Naxos, 40 km nördlich von Catania an der Ostküste Siziliens. Giardini-Naxos liegt an der Stelle des antiken Naxos, der ersten griechischen Kolonie auf Sizilien.

GEA-Leserreise Sizilien 2016
Unermessliche Schätze und verschiedene Kulturen haben wir auf unserer Woche im Osten Siziliens kennengelernt. Foto: Stephan Körting
Der zweite Tag führt uns in die heutige Provinzhauptstadt Syrakus. Im Stadtteil Neapolis lag in der Antike das kulturelle Zentrum, das man heute im weitläufigen Parco Archeologico della Neapoli Greco bewundern kann. Anziehungspunkt ist hier das imposante Teatro Greco, das Griechische Theater. Ganz in der Nähe der noch erhaltene Unterbau des Altars Hierons II. (Ara due Ierone II), der den 200 m langen und 23 m breiten gewaltigen Altar noch erahnen lässt. Wir fahren weiter zur Altstadt auf der Insel Ortigia. Über den Ponte Umbertino spazieren wir auf die Piazza Pancali mit der Ruine des Apollon-Tempels, des ältesten dorischen Tempels Siziliens. Die Piazza Archimedes ist der Mittelpunkt der Altstadt. Der Platz ist umgeben von alten Palästen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Der Artemisbrunnen in der Mitte des Platzes stellt dar, wie sich Arethusa mit Hilfe der Göttin Artemis in eine Quelle verwandelt. Schließlich erreichen wir die Piazza Duomo mit ihren prunkvollen Barockbauten, in deren Mittelpunkt der prächtige dreischiffige Dom Santa Maria della Colonne, der um den griechischen Athena-Tempel aus dem 7. Jahrhundert herumgebaut wurde. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher zu den Steinbrüchen Orecchio di Dionissio, dem »Ohr des Dionysios« mit seiner atemberaubenden Akustik.

Grandiose Aussichten


Bei strahlendem Sonnenschein beginnt am dritten Tag unser Tagesausflug Parco dell’Etna mit seinem Aussichtspunkt Refugio Sapienza auf über 1900 Metern. Von dort aus nehmen wir die Kabinenbahn zur Bergstation La Montagnola auf 2500 Metern und von dort aus weiter mit dem Geländeauto zum Piano del Lago auf 2915 Metern. Trotz des starken Windes ein unvergessliches, einzigartiges Erlebnis. – Auf dem Rückweg nach Giardini besuchen wir noch die Etna Winery »Patria«, erfahren mehr über den Weinanbau im direkten Umfeld des Ätna und lassen bei einer Weinprobe beschwingt den Tag ausklingen.

Am vierten Tag machen wir einen Tagesausflug zu den Liparischen Inseln oder auch Äolischen Inseln. Ausgangspunkt ist Milazzo, ein von den Griechen 716 vor Christus gegründeter alter Hafen- und Fischerort, der vom Castello, einer als Nationalmonument ausgewiesenen Burg, bewacht wird. Von hier aus geht es mit einer Fähre in knapp 75 Minuten nach Lipari, einer der sieben bewohnten Inseln des Archipels. Auf einer Rundfahrt lernen wir die weißen Bimssteinberge und die schwarzen Obsidianströme des Monte Pelato kennen. Zurück auf dem Schiff führt uns die Fahrt am frühen Nachmittag weiter auf die Insel Vulcano. Hier haben wir nach einem Imbiss Gelegenheit, uns am nahegelegenen Vulkanstrand »Porto di Ponente« oder in den heißen Quellen am Strand von »Porto Levante« bei einem heilenden Schlammbad zu entspannen. Auf der Rückfahrt nach Milazzo sorgen die vielen Buchten und Grotten, an denen die Fähre bewusst vorbeifährt, für ausreichend atemberaubende Landschaftsaufnahmen.

Nach dem Frühstück machen wir uns am fünften Tag auf den Weg zu den Ausgrabungen der Villa Romana del Casale nahe Piazza Armerina, des wichtigsten Denkmals des römischen Siziliens. Der Gebäudekomplex der Villa del Casale bedeckt etwa 1,5 Hektar, von denen heute noch etwa 45 Räume erhalten sind. Der Boden fast aller Räume des Anwesens ist mit Mosaiken aus farbigen Tesserae mit insgesamt einer Fläche von rund 3500m² bedeckt, größer als in jedem anderen bekannten Gebäude des römischen Reichs. – Am Nachmittag geht es von Piazza Armerina nach Caltagirone, eine Stadt, geprägt durch ihr Töpferhandwerk, das hier seit dem Mittelalter, eingeführt von den Arabern, praktiziert wird. Besonders sehenswert ist die Scalinata an der Piazza Umberto, eine mit Keramikkacheln verzierte Treppe mit 142 Stufen, die die Unterstadt mit der Oberstadt verbindet und zur Kirche Santa Maria del Monte führt. Hier schauen wir in einer der 80 Werkstätten einem Töpfermeister über die Schulter und haben gleichzeitig Gelegenheit, einige Unikate sizilianischen Porzellans zu erwerben.

Am sechsten Tag führt uns unser Halbtagesausflug nach Taormina. Hoch über dem Ionischen Meer, an den Ausläufern des Monte Tauro, liegt der meistbesuchte Ferienort Siziliens, mit angenehmen Klima, üppiger Vegetation und dem wunderschönen Freilichttheater »Teatro Greco«. Das zweitgrößte Theater der Insel ist mit einem Durchmesser von 109 Metern optisch und architektonisch beeindruckend. Vom Teatro Greco geht es zu Taorminas verkehrsfreier Hauptflaniermeile, dem Corso Umberto, der von der Porta Messina zur Porta Catania führt. Neben beeindruckenden Palästen und edlen Boutiquen gibt es eine Reihe von verführerischen Konditoreien, noblen Cafés und Bars, in denen wir bei einem kühlen Getränk oder Espresso das muntere Treiben beobachten und den Vormittag ausklingen lassen können. Zurück im Hotel können wir den Nachmittag am privaten Strand des Hotels oder in einem der Pools verbringen oder einen Spaziergang in den Ort »Giardini« unternehmen.

Schwaben in Catania


Am letzten Tag heißt es Abschied nehmen von Sizilien. Doch bevor am Abend der Rückflug ansteht, fahren wir am Morgen mitsamt unserem Gepäck von Giardini an der Lavaküste entlang bis zum Seebad Aci Trezza, von dem aus sich ein schöner Blick auf die Zyklopenfelsen und die Insel Lachea bietet. Mit Blick auf das Normannenkastell Aci Castello geht es weiter nach Catania. – An der Piazza del Duomo beginnen wir unseren Stadtrundgang. An der Ostseite des Platzes besuchen wir die Duomo di Sant’Agata, eine dreischiffige, kreuzförmige Pfeilerbasilika mit dem Grabmal des berühmten Opernkomponisten Vincenzo Bellini. Unübersehbarer Mittelpunkt der Piazza ist die Fontana dell’Elefante, der Elefanten-Brunnen, das Wahrzeichen der Stadt. Unser Weg führt uns weiter zur Via Garibaldi, zum größten Fischmarkt der Insel, auf dem aber auch andere Lebensmittel verkauft werden – ein echter sizilianischer Augenschmaus. Unterhalb der Via Garibaldi besuchen wir anschließend den »Platz Friedrichs von Schwabens« mit dem Castello Ursino, dem einzigen mittelalterlichen Gebäude der Stadt von 1239–1250. Zurück zur Piazzo del Duomo bleibt am Nachmittag noch Gelegenheit, Catania auf eigene Faust zu erkunden, etwa das Teatro Massimo Bellini oder den verträumten Stadtpark mit einem Musikpavillon und einem Aussichtshügel.

Unermessliche Schätze und verschiedene Kulturen haben wir auf unserer Woche im Osten Siziliens kennengelernt. Doch es gibt noch viel mehr auf der westlichen Seite der größten Mittelmeerinsel zu entdecken. Und so verabschieden wir uns von unserem Reiseleiter Bernardo, der mit uns vielleicht schon bald ausgehend von Palermo die andere Seite Siziliens erkundet.


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GEA-Leserreise Sizilien 2016
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