Leserreisen
GEA Leserreise - An Bord von MS Delphin unterwegs in arktischer Region

Feuer und Eis - Island und Grönland

Von Karl-Heinz Zeller

Es ist eine Welt für sich, faszinierend, unwirklich, und manchmal unheimlich. Island: tobende Wasserfälle im Nebel der eigenen Gischt, explodierende Geysire, blubbernde Schwefelquellen mit ihrer besonderen Duftnote, tiefe Vulkankrater und abstrakte Lavafelder. Grönland: gigantische Eisberge, deren Farben und Formen unseren Phantasien keine Grenzen setzen. Im Glanz der Sonne und unter tiefblauem Himmel treiben die Eiskolosse majestätisch aus dem Eisfjord bei Ilulisat an unserem Schiff vorbei. Von hier soll auch der Eisberg gekommen sein, der einst der Titanic im Atlantik das Unglück brachte.

GEA Leserreise Faszination Island und Grönland 2010
FOTO: Karl-Heinz Zeller
Blaue, skurrile und steil abreißende Gletscherzungen fließen in den Fjord, und unter unseren Füßen knirscht es beim Gehen über das Inlandeis. Bilderbuchschöne Siedlungen der Inuits. Mein Bildband zu Hause hat nicht gelogen. Die roten, grünen, gelben oder blauen Holzhäuser wirken wie Farbtupfer auf den karg bewachsenen Felsen hoch über dem Wasser - malerisch schön. Zum nächsten Ort sind es oft hundert Kilometer und mehr. Je weiter wir nach Norden kommen, umso kleiner werden die Ansiedlungen. Oft leben hier nur noch einzelne Familien - vom Fischfang, der Jagd auf Robben und Wale. Einige dieser großen Säugetiere sehen wir. »Wal da bläst er«: zuerst hören wir das laute Blasen, suchen die aufsteigende Wasserfontäne und dann kommt der Buckel aus dem Wasser - und mit viel Glück zeigt er uns auch seine breite Schwanzflosse.

Fünfzehn Tage dauert unsere Kreuzfahrt. Von Bremerhaven über die Faröer - eine Inselgruppe vor Dänemark - zunächst nach Island. Vier Mal landen wir an und unternehmen Ausflüge bevor wir bei bemerkenswert ruhiger See den Atlantik zur Südspitze Grönlands queren. Wir befahren den Prinz-Christian-Sund. Kein Fjord, in den das Schiff hinein fährt, umdreht und wieder raus fährt, sondern eine Durchfahrt zwischen vielen kleinen dem Festland vorgelagerten Inseln. Dies und noch viel mehr lernen wir an Bord bei den diversen Vorträgen eines Lektorenteams, über Klima, Geologie, Tierwelt, Eisforschung und die Lebensweise der Ureinwohner - der Eskimos - der Inuit. Schließlich ist unsere Reise mehr eine Expeditions- als eine Vergnügungsreise, wobei letzteres auch nicht zu kurz kommt. In Nanortalik gehen wir erstmals an Land. Davor noch das erste Abenteuer: warm angezogen, mit wasserdichter Hose, Anorak, Schwimmweste und Wollmütze, bringt uns eine Zodiacfahrt bis wenige Meter an die blaue Gletscherkante. Bedrohliche zwanzig Meter hoch ist der senkrecht ins Meer abfallende Eispanzer. Wenn der jetzt kalbt, dann ist unser Zodiac einem kleinen Tsunami ausgesetzt. Er kalbt nicht, aber trotzdem muss der Expeditionsleiter die Fahrt abbrechen: Wind, Wellen und peitschender eiskalter Regen sind zu intensiv. Die Sicherheit der Passagiere geht vor, schließlich hat das Wasser nur noch zwei Grad.

Entlang der Westküste in die Discobucht


Insgesamt 1700 Kilometer fahren wir die Westküste Grönlands hinauf. Bis in die Discobucht. Stationen unterwegs: Nuuk die Hauptstadt Grönlands mit heute 15000 Einwohnern. Andere Ansiedlungen haben uns besser gefallen. Denn hier sind immer noch Siedlungsfehler sichtbar. In große Wohnblocks wurden Ureinwohner aus ihren eigenen Wohngewohnheiten umgesiedelt. Besser sollten sie es haben, Strom, Wasser, Licht auf Knopfdruck, Lebensmittel aus dem Regal, die Errungenschaften der neuen Welt erfahren. Es war eine Fehlentscheidung. Es entstanden Ghettos mit großen sozialen Problemen. Man will es wieder korrigieren.

Der Weihnachtsmann wohnt hier. Er hat den größten Postkasten der Welt aufgestellt - für die Weihnachtsgrüße der Touristen an ihre Lieben zu Hause. Im November wird er geleert. Mit Weihnachtsmann-Stempel versehen werden die Grüße auf die Reise geschickt in alle Welt. Im Dezember werden auch einige Grußkarten in Reutlingen eintreffen.

Paamiut, Sisimiut, Ilulissat und Qegertassuag - unaussprechliche Zungenbrecher - sind Ansiedlungen, in denen ein Kreuzfahrtenschiff eher eine Seltenheit ist, aber ein Highlight für die Einwohner. Besonders für die Jugendlichen ist es eine nicht alltägliche Abwechslung, ja fast eine Sensation. Natürlich machen wir uns Gedanken über die Zukunft dieser Jugend. Via Internet und TV erfahren sie die neue Welt, die Möglichkeiten und die Lebensweise jenseits des Atlantiks. Fischfang und Robbenjagd sehen sie nicht unbedingt als ihr erstrebenswertes Ziel. Zumindest nach Dänemark zum Studium mit beruflicher Zukunft treibt sie es. Allen wird es nicht gelingen.

Mit dem Truck zum Inlandeis


Dann noch ein Zungenbrecher: Kangerlussuaq - ganz am Ende eines langen Fjords. Aber der Ort ist schon wesentlich bekannter. Denn er hat den einzigen Flughafen Grönlands auf dem auch große Passagiermaschinen landen und starten können. 1942 wurde er von den Amerikanern als Zwischenstopp für ihre B 52 Bomber auf dem Weg nach Deutschland gebaut. Die Amerikaner sind heute nicht mehr da und der Flughafen wurde zivilisiert und ist heute Beginn oder Endpunkt einer Grönlandkreuzfahrt. Letzteres auch für uns. Zuvor aber wird es nochmals abenteuerlich. Mit großen Allradtrucks fahren wir über geschotterte, steile und unebene Straßen circa 30 Kilometer zum Inlandeis. Das tausende Jahre alte Ewige Eis zu betreten, das Knirschen der Eiskristalle unter den Füßen zu spüren und zu hören ist für uns ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis.

Abflug nach Düsseldorf geplant für 22 Uhr. Es wird dann 24 Uhr, denn auf Grönland geht alles etwas langsamer. Nach vier Flugstunden und die Uhren um vier Stunden vorgestellt, hat uns Deutschland am anderen Morgen wieder. Eine Reise in spektakuläre Regionen ist zu Ende.

Unser Schiff - MS Delphin


Schon zum vierten Mal hat der GEA seine Leserinnen und Leser zu einer Kreuzfahrt mit diesem Schiff eingeladen. Kein Riese mit zweitausend Betten - gerade mal für 470 Passagiere und 220 Mann Besatzung hat es Platz. Dafür geht alles ganz schnell beim Landgang an der Pier oder mit den Tendern, wenn das Schiff auf Reede liegt. Und man trifft und sieht sich immer wieder. Am Pooldeck, in der Lido-Bar und in der Delphin-Lounge zum gemütlichen Bier, der Bibliothek für beschauliche Stunden, beim Shopping in der Boutique, im Grand-Salon für die Vorträge oder das abendliche Show-Programm und die Nachtschwärmer tanzen sich im Sky-Club bei DJ Uwe die Sohlen platt. Vorteilhaft das große Pazifik-Restaurant, in dem alle Gäste in einer Sitzung bedient werden. Überhaupt der Service: das sowohl im Kabinen- als auch im Restaurant- und Barbereich überwiegend ukrainische Personal (aus Odessa) ist die Freundlichkeit pur, und sie sind stets für alle Wünsche ihrer Gäste da, ohne aufdringlich zu werden. Fein gedeckte Tische, eine vorzügliche Küche serviert abwechselnde 5-Gänge-Menüs mit Wahlmöglichkeiten und bei der Rückkehr vom Landgang findet man eine aufgeräumte und sorgfältig gereinigte Kabine vor. Neben dem abendlichen Show-Programm veranstaltet die Schiffs- und Reiseleitung Pool-Partys auf Deck. Fröhlichkeit und Stimmung sind angesagt beim bayerischen Frühschoppen mit Freibier und Leberkäs, der Jazz- und Dixie-Party oder bei der Neptuntaufe nach überqueren des nördlichen Polarkreises. (GEA)

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Faszination Island und Grönland

GEA Leserreise Faszination Island und Grönland 2010
FOTO: Karl-Heinz Zeller
 

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