Leserbriefe
Scheibengipfeltunnel/Brief »Viele Klischees bestätigt -«, GEA vom 4. 11. per E-Mail

»Woher soll denn die Entlastung kommen?«

Sehr geehrter Herr Junghanns, wenn Sie vor dem Schreiben Ihres Leserbriefes bei Google »Critical Mass« eingegeben hätten, wären Sie auch auf folgenden Eintrag gestoßen: Mehr als 15 Radfahrer dürfen nach § 27 StVO einen geschlossenen Verband bilden, der allerdings als solcher für andere Verkehrsteilnehmer deutlich erkennbar sein muss. Für diesen Verband gelten sinngemäß die Verkehrsregeln eines einzelnen Fahrzeuges und er hat z. B., als wäre er etwa ein Sattelzug, in einem Zug über eine Kreuzung mit Ampel zu fahren, selbst wenn diese zwischenzeitlich auf Rot umschaltet. Dies wurde durch ein Urteil des Landgerichts Verden 1989 bestätigt. Für Radfahrer eines Verbandes gilt zudem nicht die Radwegbenutzungspflicht nach § 2 Abs. 4 StVO und sie dürfen auf der Fahrbahn zu zweit nebeneinander fahren. Statt den teilnehmenden Radlern den Führerscheinentzug und weitere Strafen zu wünschen, fänden wir es angebrachter, den Politikern und den anderen Verantwortlichen für die Planungen unserer Straßen, des ÖPNVs sowie eines funktionsfähigen Radwegenetzes folgende Fragen zu stellen: Warum wird das neue Buskonzept in Reutlingen so zögerlich umgesetzt? Warum gibt es in der Stadt kein leistungsfähiges und sicheres Radwegenetz? Warum gibt es keine ausreichenden Fahrradabstellmöglichkeiten? Warum wird erst jetzt (hoffentlich) mit dem Bau der Regionalstadtbahn begonnen? Wie sieht die tatsächliche Entlastung des innerstädtischen Verkehrs durch den 135 Millionen Euro teuren Scheibengipfeltunnel aus? Wann werden die versprochenen verkehrsberuhigenden Maßnahmen in der Oststadt umgesetzt? Oder können diese Maßnahmen in der Oststadt gar nicht realisiert werden, da das Verkehrsaufkommen dort immer noch viel zu hoch ist? Bisher haben wir jedenfalls den Eindruck, dass seit der Tunneleröffnung der Verkehr dort nicht spürbar geringer geworden ist.

Jetzt heißt es natürlich, wir müssen abwarten, bis der Tunnel von allen Verkehrsteilnehmern angenommen worden ist. Aber woher soll denn die Entlastung kommen, wenn laut einer Verkehrszählung in Reutlingen 85 Prozent des Verkehrs Ziel- und Quellverkehr sind? Es sind also nur etwa 15 Prozent Durchgangsverkehr, und davon ist ein großer Teil der Verkehr, den wir täglich auf der Ost-West-Trasse sehen und hören können und der gar nicht in den Tunnel ausweichen kann. Weitere Fragen? Ja: Woher nehmen die Verantwortlichen den Mut für alle ihre Versprechungen?

Wolfgang Schempf, Friedrich Hagemeister, Reutlingen

Das könnte Sie auch interessieren
Leserbriefe

An unsere Leser

Wir freuen uns über jede Zuschrift. Bitte fassen Sie sich kurz, nur so können wir eine Vielzahl von Meinungsbeiträgen berücksichtigen. Auswahl und Kürzung von Beiträgen behalten wir uns ausdrücklich vor.

Bitte geben Sie bei jeder Einsendung, auch bei Zuleitung per E-Mail, Ihre volle Anschrift sowie Ihre Telefonnummer an. Anonyme Zuschriften veröffentlichen wir grundsätzlich nicht.

E-Mail: leserbriefe@gea.de
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Aktuelle Beilagen