Ich hab es getan: Ich habe die 239 Seiten PDF-Stellungnahmen der Anwälte unseres Bundespräsidenten Christian Wulff zu den 500 Journalistenfragen durchgelesen - und stelle jetzt öffentlich die 501. Frage: Warum wird um diese Sache so ein Tamtam gemacht?
Fassen wir zusammen: Herr Wulff kauft ein Haus und leiht sich das Geld von einem guten Freund der Familie - schuldet dies später zu günstigeren Konditionen bei einer renommierten Bank um und schreibt das Darlehen jetzt zu marktüblichen Konditionen für 15 Jahre fest. Herr Wulff hat verschiedentlich Urlaube bei befreundeten Personen gemacht und dafür mal nichts, mal wenig bezahlt.
Jede Kleinigkeit aus dem Privatleben der Wulffs wurde hinterfragt und medial extrem breitgetreten ... es wurden reihenweise Anzeigen erstattet, die alle im Sande verlaufen sind, auch aus einem einfachen Grund: Herr Wulff hat nichts Unrechtes getan. Davon liest man jetzt aber vergleichsweise wenig, die Vorwürfe, überwiegend haltlos, bleiben im Raume stehen.
Jeder, der jetzt mit dem Finger (oder dem Schuh) auf ihn zeigt, sollte sich überlegen, ob er in einer vergleichbaren Situation anders gehandelt hätte. Wenn jeder Vorteil, den ein Beamter auf Basis seines Amtes bekommt, strafbar ist, sollte man mal Konditionsvorteile für Beamte bei Versicherungen hinterfragen: Hier bekommen Beamte in vielen Bereichen bei fast jeder Gesellschaft günstigere Tarife als andere - dürfen die das dann überhaupt annehmen?
Beamte werden auch bei Banken aufgrund des sicheren Einkommens lieber gesehen als »normale« Angestellte oder Selbstständige - und haben dadurch auch oft bessere Konditionen als die anderen.
Ich will hier nicht zur Beamtenschelte ausholen, ich frage mich jedoch: Wo fängt die Vorteilsnahme an, was ist legal und wo sind hier die Grenzen?
Wir freuen uns über jede Zuschrift. Bitte fassen Sie sich kurz, nur so können wir eine Vielzahl von Meinungsbeiträgen berücksichtigen. Auswahl und Kürzung von Beiträgen behalten wir uns ausdrücklich vor.
Bitte geben Sie bei jeder Einsendung, auch bei Zuleitung per E-Mail, Ihre volle Anschrift sowie Ihre Telefonnummer an. Anonyme Zuschriften veröffentlichen wir grundsätzlich nicht.