Leserbriefe
Windenergie/Zum Bericht »Gewöhnungsbedürftig«, GEA vom 10. 3.

»Wo ist denn das große Windpotenzial?«

Der Wind macht blau auf den Härten. Es bedarf der Klärung, wo denn das »große Windpotenzial« ist und wer es bislang so »stiefmütterlich behandelt« hat. Wie sieht es damit auf den »Härten« aus?

Die geografische Lage auf etwa 420 Metern über dem Meeresspiegel (420 m üNN) bietet den »Härten« idealen Windschutz: Im Westen, einer Hauptwindrichtung, schützt das große 100 Meter höher gelegene Waldgebiet »Rammert«; im Süden und Südwesten ist Mörikes »blaue Mauer«, die Schwäbische Alb, der Schutzwall gegen häufige Südwestwinde. Keine 100 Kilometer Luftlinie entfernt bildet der Schwarzwald die bedeutendste Windbremse selbst für die 900 bis über 1 000 Meter hoch gelegene Südwestalb (Heuberge, Klippeneck). Dieser Windschatten ist laut einer Studie zur Erhebung der Windpotenziale auf der Schwäbischen Alb (1988 bis 1994) von der Universität Stuttgart erst weit hinter Münsingen auf der Ostalb nicht mehr wirksam. Deshalb ist es also der Wind selbst, der die »Härten« im Hinblick auf Windenergienutzung »stiefmütterlich behandelt«.

Der erste Windatlas für Baden-Württemberg von 1995 zeigt auf der farbigen Windkarte für die Härten jene Blautöne, die energietaugliche Windgeschwindigkeiten absolut ausschließen. Im Vergleich dazu weist der Windatlas für den Himmelberg (820 m üNN) bei Melchingen mit den Farben gelb bis rotbraun die zweieinhalbfache Windgeschwindigkeit von den Härten auf, weil der Wind nicht so ausgebremst wird wie vor der Alb. Die Windpotenzial-Studie hat diesen Ort u. a. als besonders günstig hervorgehoben, und seit 1995 stehen dort drei Windenergieanlagen (WEA). Gelaufen sind sie im Zehnjahresdurchschnitt jährlich nur etwa 45 Tage, verteilt auf 365 Tage. Damit kann man nicht einmal einen einzigen Haushalt versorgen, wenn man unter Versorgung eine tägliche Strombereitstellung rund um die Uhr versteht.

Die über 370 WEA in Baden-Württemberg, dem windschwächsten Bundesland, zeigen ähnlich ärmliche Betriebsergebnisse. Das »Leuchtturmprojekt« der vergangenen Regierung ist kläglich gescheitert: 14 WEA mit Nabenhöhen von über 100 m in Simmersfeld (760 m üNN) liegen in vier Betriebsjahren im Jahr durchschnittlich 46 % unter der Stromprognose und machen pro Jahr Verluste im Millionenbereich.

Zur Überprüfung der Windstärke muss eine Langzeitwindmessung stattfinden über mindestens ein Jahr in Nabenhöhe. In 140 Metern Höhe kostet das etwa 120 000 € laut Auskunft einer Spezialfirma.

»Wind weht nicht immer«, sagt Ines Stöhr zum Schluss. Ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 19. Januar 2012 zitiert Umweltminister Untersteller mit den Worten: »Alternative Energiequellen wie der Wind sind extrem wetterabhängig. Um eine stabile Stromversorgung zu sichern, sind deshalb weiterhin konventionelle Kraftwerke erforderlich.« Also kann regelbare, stets bedarfsgerecht lieferbare Kernenergie nicht durch Windenergie ersetzt werden. Untersteller braucht dafür neue Kohle- und Gaskraftwerke (mit Gas von Russlands Gnaden?). Und wozu brauchen wir dann noch WEA, die selbst für den eigenen Betrieb auf Regelkraftwerke angewiesen sind?

WEA brauchen Strom zum Anlaufen und zur elektronischen Steuerung, wenn sie sich bei Sturm aus dem Wind drehen und mit Eislast bis zum Abtauen den Betrieb einstellen müssen. Läuft eine WEA mit Eis, kann die Unwucht die Lager zerstören. Eine WEA mit Getriebe - und die sind nicht so teuer wie getriebelose WEA - brauchen je nach installierter Leistung 800 und mehr Liter Getriebeöl mit regelmäßigem Ölwechsel. Der vom Aussterben bedrohte Rotmilan und Fledermäuse können dem Tod durch den Schlag der Rotoren nicht entrinnen. Wir haben kein Interesse an WEA, die nur den menschlichen und landschaftlichen Frieden stören, zu einer vernünftigen, nachhaltigen Stromversorgung nicht nennenswert beitragen und nur die Stromrechnungen unbezahlbar machen.

Hilde Barth, Eningen



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