Zum Artikel »Miteinander ohne Vorurteile« vom 29. Januar
»Schäme mich für diese christliche Gruppe«
Zuerst danke für den guten Veranstaltungsbericht und auch für den dazugehörenden Kommentar. Ich kann beidem gerne zustimmen. Eine Korrektur beziehungsweise Ergänzung scheint mir jedoch notwendig. Im Bericht heißt es: »Eine kleine Gruppe Christen ist offenbar in missionarischer Absicht zu der Veranstaltung gekommen.« Das bestreite ich.
»Missionarisch« heißt für mich: Ich erzähle einem anderen hilfs-, gesprächs- und lernbereit von meinem Glauben. Darum ging es aber dieser Gruppe gewiss nicht. Sie kam eindeutig in der Absicht, diese Veranstaltung zu stören, das Miteinander zu vergiften und vor allem, die Muslime an den Pranger zu stellen. Schon die erste Wortmeldung aus dieser Ecke gab die Richtung vor: Ein langes, aus dem Zusammenhang gerissenes Koranzitat sollte die Aggressivität und die Feindschaft der Muslime gegen alle »Ungläubigen« belegen und die anwesenden Muslime dafür haftbar machen. Als ob man nicht mit Zitaten aus der Bibel, vor allem aus dem Alten Testament (zum Beispiel 5. Mose 20, 10-18) genau das Gleiche auch den Christen vorwerfen könnte! Auf die Geschichte gesehen hat es unter Christen und christlichen Völkern gewiss nicht weniger Krieg und Gewalt gegeben, wie unter Muslimen. Und das, obwohl Jesus - anders als Mohammed - Gewalt grundsätzlich ablehnt.
Ich kenne persönlich eine ganze Reihe von Muslimen und ich habe nicht nur die Bibel, sondern auch den Koran studiert. Von daher weiß ich: Die weit überwiegende Mehrheit der Muslime, auch und gerade hier bei uns, hat mit Gewalt nichts im Sinn. Sie will in Frieden leben, geachtet und anerkannt sein. Mit dieser - leider, wie so oft schweigenden - Mehrheit der Muslime in gutem Einvernehmen zu leben, sie besser zu verstehen und Brücken von Mensch zu Mensch zu bauen, war das Anliegen der Veranstaltung.
Dieses Anliegen wurde torpediert. Muslimische Welteroberungspläne, gar den muslimischen Terrorismus mehr oder weniger unverblümt unseren Reutlinger Mitbürgern muslimischen Glaubens mit in die Schuhe zu schieben, ist nicht »missionarisch«, sondern schlichtweg infam. Ich habe mich als Christ für diese christliche Gruppe geschämt.
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