Leserbriefe
Stuttgart 21/ Zu den GEA-Berichten »Die Herzensangelegenheit«, H + W vom 7. 8.

»Nicht nachvollziehbare Idee«

Ihr Bericht über Stuttgart 21 ist, obwohl über eine ganze Seite gehend, oberflächlich und unvollständig.

Ihre Leser aus der Region müssen erfahren, dass die Bahn den Stuttgartern und 300 000 Reisenden täglich »Europas größte Baustelle« in Stadtmitte zumutet und das 10 bis 15 Jahre lang. Sie gehören darüber informiert, dass hier ein voll funktionierender Bahnhof, der zudem unter Denkmalschutz steht und zum Weltkulturerbe der UNO zählt, zur Hälfte abgerissen werden soll, der Rest bleibt als Kulisse.

Gleichzeitig soll ein neuer Bahnhof in den Schlossgarten gebaut werden. Dieser Park ist der »Stutengarten« und die Wiege Stuttgarts; als einzige Grünverbindung reicht er vom Neckar bis zum Neuen Schloss. Er ist 500 Meter breit, so wie ein ICE lang ist, und wird von der geplanten Bahnhofshalle ganz unterbrochen. Rund 280 bis zu 200 Jahre alte Bäume müssen fallen. Der abgesenkte Grundwasserspiegel bedroht die weiteren Bäume und die Mineralquellen, Stuttgarts Kostbarkeit.

Diese nicht nachvollziehbare Idee kostet eine unglaublich hohe Summe, Geld, das überall im Lande dringend gebraucht wird, und sie zerstört unersetzliche Stadträume. Dass sich die Bürgerinnen und Bürger diesen Umgang mit ihrer Stadt nicht gefallen lassen, sondern sich mit konstruktiver Kritik zur Wehr setzen, ist wunderbar; man möchte Ihnen allen Erfolg wünschen.

Mit Recht hat das Foto der geplanten Barbarei den Schreiber Ihres Berichts so geschockt, dass er sich für ein anderes, besseres entschied, nämlich die Umbaustudie aus dem Jahr 1993 des Büros Gerkan, Marg und Partner, Hamburg. Die Stuttgarter Tragwerksplaner Schlaich, Bergermann und Partner steuerten damals ein feingliedriges Glasdach bei und im Hintergrund sieht man den integrierten Nordflügel, der bei der aktuellen Lösung vom Abriss bedroht ist.

Prof. Hanns M. Sauter, Dettingen


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