Leserbriefe
Windkraft/Zum Bericht »Ein Stück vom Wind-Kuchen«, GEA vom 25. 5.

»Massiver Zuschussbetrieb«

Am 23. 05. 2011 hielt u. a. Bürgermeister Gerhard Feeß aus Altensteig im Rahmen einer Veranstaltung des Vereins »Sonnenenergie Neckar-Alb e. V.« in Burladingen-Melchingen einen Vortrag über den größten Windpark in Baden-Württemberg nahe Simmersfeld im Nordschwarzwald. Das Referat war voll des Lobes über das erkämpfte »Leuchtturmprojekt« (Bürgerinitiative, Petitionsausschuss), teils witzig und gut vorbereitet. Nur Fakten wurden nicht oder falsch genannt, was in der derzeitigen Energiediskussion alles andere als zielführend ist.

Die Windgeschwindigkeit wurde mit 6 Metern/Sekunde (in Nabenhöhe) gemessen. Allerdings taucht diese Windgeschwindigkeit im »Neuen Windatlas« (TÜV Süd, 3. 2011) in der Region um Simmersfeld nirgendwo auf, nicht einmal in 140 Metern Höhe. Die tatsächlichen Betriebsergebnisse sind im Mittel der Jahre 2008, 2009 und 2010 veröffentlicht worden. Sie lauten: Die 37,5 Millionen Kilowattstunden sind lediglich 58 Prozent der bei der Genehmigung eingereichten Prognosen. Was sind das für Gutachter!? Der Referenzertrag wird nur zu 44 Prozent erbracht, wogegen das EEG aus Effizienzgründen mindestens 60 Prozent fordert. Der Windpark hätte also gar nicht gebaut werden dürfen. Die Zahl der Volllaststunden betrug 1 341 von 8 760 Stunden im Jahr, das sind 15,3 Prozent. (Zum Vergleich: Der Durchschnitt aller Windkraftanlagen in Baden-Württemberg in den Jahren 2004 bis 2009 betrug 1 211 Volllaststunden oder 13,8 Prozent.)

Alle Zahlen sind nachprüfbar und sprechen für einen massiven Zuschussbetrieb mit tiefroten Zahlen. Dass die Stadt Altensteig dennoch »Gewinne« verzeichnet, ist vermutlich eine Folge der Pachtverträge, die im fünfstelligen Bereich liegen dürften.

Zurück zur Reutlinger Alb: In der wesentlich dichter besiedelten Region wird ein Mehr/Meer von Windkraftanlagen nicht ohne massive Immobilienverluste einhergehen. Ich empfehle Mindestabstände zur Wohnbebauung von mindestens 2 000 Metern, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) es empfiehlt. Der niedersächsische Städte- und Gemeindetag fordert inzwischen in einer Petition an den Bundestag einen Mindestabstand von 1 500 Metern oder der 10-fachen Höhe der Windkraftanlagen.

Dr. Christoph Leinß, Ostrach



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