Zum Bericht »Energie/Gewinne in die Region holen« vom 17. Juli
»Lokale Strukturen erhalten«
Das Interesse der Energie-Oligopole an den Stromnetzen wundert mich nicht: Neben Erträgen für diese Konzerne behalten sie damit trotz angeblicher Liberalisierung des Strommarkts ein großes Stück der Kontrolle über ihren Markt. Und wer kontrolliert, bestimmt auch.
Waren es nicht regionale und kommunale Unternehmen, welche die Netze aufgebaut haben? Doch dann wurden diese aus der Hand gegeben. War dieser Weg erfolgreich? Ich kann es nicht beurteilen.
Allerdings bin ich mir sicher, dass die Netze in kommunaler Hand für die Menschen in einer Gemeinde oder Region einen Gewinn an Mitbestimmung bedeuten. Das vorgestellte Modell »EnBW + Kommune + NEV« belässt meines Erachtens durch die Nähe der NEV zur EnBW die Kontrolle bei diesem Anbieter.
In der Rückschau auf die seltsamen und oft gescheiterten »Sale and Lease back«-Geschäfte vieler Gemeinden mit ihren Einrichtungen und auch solcher Geschäfte der Bodenseewasser-Versorgung mit ihrem Leitungsnetz sollten wir Bürger ein großes Interesse daran haben, dass unsere Wohnorte auch selbst entscheiden können, was wann und wie an Infrastruktur uns angeboten wird.
Persönlich würde ich es sehr begrüßen - auch aus Aspekten der Zukunftssicherung -, wenn wir Bürger uns selbst an kommunalen Gesellschaften finanziell beteiligen könnten und damit auch mitentscheiden könnten, wie solche Unternehmungen geführt werden. Dazu gehört natürlich auch das Risiko einer Investition.
Nur den Gewinn haben zu wollen, funktioniert nicht. Geeignet dazu ist die Form einer Genossenschaft oder Aktiengesellschaft.
Damit würde auch für kommunale Projekte im Bereich »erneuerbare Energie« eine zusätzliche Tür zum Absatz ihrer Leistungen geöffnet: Regional erzeugte Energie käme einfacher zu den Menschen in der Region.
Der Kauf einer Leistung eines lokalen Anbieters bedeutet auch den Erhalt lokaler Strukturen in ihrer ganzen Breite und der entsprechenden Arbeitsplätze. Nutzen wir doch jede Möglichkeit, unsere Region zu stärken.
Andreas Losch, Pfullingen