Zum Artikel »Miteinander ohne Vorurteile« vom 29. Januar
»Kritische Fragen nicht zugelassen oder verdreht«
Ich bin mit Erwartungen, Interessantes über den Islam zu hören, zu der Veranstaltung »Christlich-Islamische Begegnung« in die Christuskirche gegangen. Meine Tischnachbarin und ich mischten uns sogleich mit den anderen Leuten und den anwesenden Muslimen zum Gespräch an den Tischen.
Auf die Frage, zu welcher Gruppierung die vier Muslime am Tisch denn gehören würden, wurde uns keine Auskunft gegeben. Da wurde rumgedruckst. Auf direkte Fragen keine ehrlichen Antworten. Stattdessen wurde den Fragern vorgeworfen, die Muslime beschimpft zu haben. Ich war geschockt.
Es ging dann den ganzen Abend weiter so. Von den Muslimen wurden in der offenen Fragerunde im Plenum keine Fragen gestellt, aber die kritischen Fragen der deutschen Besucher, auf die man ehrliche Antworten erwartet hatte, wurden nicht zugelassen oder verdreht. So bekam eine Frau, die wissen wollte, warum es Kirchen in der Türkei so schwer hätten, zur Antwort: In der Türkei werden mit staatlichen Mitteln Kirchen gebaut. Eine Lüge. Ich weiß es, und jeder kann sich darüber informieren, dass die Christen ihre Kirchen nicht mal renovieren dürfen, und ein freies Ausleben des christlichen Glaubens in diesem Land, das Mitglied-Staat der EU werden will, nicht möglich ist.
Eine andere Dame hatte eine Frage zu Textstellen im Koran, die zu Gewalt und Unfrieden aufriefen, und wollte dazu einige Suren vorlesen - sie wurde harsch unterbrochen und konnte die Frage nicht zu Ende bringen. Die Antwort, die dann kam: Das ist alles Interpretationssache und die Übersetzungen würden die Bedeutung der Verse verändern. Aus welchem Koran, frage ich mich dann auch, ziehen dann die Terroristen, die sich immer auf Allah berufen, wenn sie ihren Dschihad durchführen, ihre Gewaltbereitschaft?
Wenn man sich nicht über die tiefer gehenden Fragen zu den Unterschieden in den Religionen offen und ehrlich austauschen kann, was bezweckt solch eine christlich-islamische Veranstaltung dann, die den Untertitel trägt: »Was ich dich schon immer fragen wollte?« Dass im anschließenden Zeitungsbericht die kritischen Frager als Fundamentalisten und Störer abgeurteilt werden? Mein Fehler war wohl, dass ich keine Lust hatte, mich mit den Muslimen über Kochrezepte und Kindererziehung zu unterhalten.
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