Leserbriefe
Zum Artikel »Miteinander ohne Vorurteile«

»Klarheit über ideologisch-politischen Hintergrund«

Wer die aufgeregte Berichterstattung und die darauf folgende Leserbriefreaktion zu der ACK-Veranstaltung mit muslimischen Organisationen in der Christuskirche verfolgt hat, kann Dr. Martin Stelzle nur dankbar sein für seinen Leserbrief. »Wahrhaftigkeit, Klarheit und Sachkenntnis« sind in der Tat die Kriterien für einen Dialog zwischen Christen und Muslimen. Und daran fehlt es hier in Reutlingen und anderswo.

Im Deutschlandfunk wurde dazu am 30. Januar ein erhellender Beitrag gesendet: »Zwischen Schönreden und Wegschauen - vom schwierigen Umgang mit islamistischen Vereinen.« Weder ein Generalverdacht gegenüber Muslimen noch die Bereitschaft, pauschal jedem islamischen Verein einen Persilschein auszustellen, sei ein Beitrag zum Dialog. »Eine differenzierte Debatte über verschiedene Gruppierungen wird von Journalisten und Politikern meist gemieden.«



Und so kommt es, dass eine notwendige Klärung verhindert wird, welchen politisch-ideologischen Hintergrund die »Türkische Gemeinschaft Org. im Raum Reutlingen e. V.« hat, die auf der Homepage der Stadt Reutlingen mit dem Logo der türkischen Rechten erscheint. »Dass der Islam nicht nur spirituell, sondern durch die Scharia einen politisch-ideologischen Charakter herausgebildet hat, dass er Glaube und Politik ist, überfordert offensichtlich die Vorstellungskraft vieler Westeuropäer.« (Necla Kelek)

Deshalb ist es dringend geboten, dass Journalisten und Reutlinger Politiker klären, welche Verbindung die türkische Gemeinschaft zu der extrem nationalistischen, antisemitischen MHP-Partei (in der Türkei) hat. Dass es hier Verbindungen gibt, zeigt schon die Tatsache, dass das Landesamt für Verfassungsschutz diese Gemeinschaft beobachtet. Allein schon unseren alevitischen, kurdischen und türkisch-christlichen Mitbürgern/-bürgerinnen, die in der Türkei unter der MHP-Partei zu leiden haben, sind wir das schuldig.

Eine klare Stellungnahme der »Türkischen Gemeinschaft« selbst - und nicht von Schönrednern aus Politik und Kirche -, dass sie nichts mit der extremistischen türkischen Rechten zu tun haben, steht aus. Der Hinweis der MHP darauf, dass auf Gewalt verzichtet wird - was ja wohl selbstverständlich ist - darf nicht davon ablenken, Klarheit über den ideologisch-politischen Hintergrund der »Türkischen Gemeinschaft« herbeizuführen.

Ernst-Ullrich Schmidt, RT-Betzingen



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