Leserbriefe
Gemeinschaftsschule/Zum Bericht »Bildungssystem auf den Kopf gestellt«, GEA vom 20. 1.

»Kein ideologisches Versuchsobjekt«

Wenn es etwas gibt, das man der grün-roten Landesregierung nicht vorwerfen kann, ist es das erstaunliche Tempo, das an vielen Stellen an den Tag gelegt wird. Neben der für den Steuerzahler äußerst kostspieligen Vergrößerung der Ministerien wurde auch schnell klar, dass trotz des eindeutigen Bürgervotums für das Projekt S 21 von jeder erdenklichen Verzögerungstaktik gebraucht gemacht wird. Der Entschluss, unser erfolgreiches und weltweit anerkanntes gegliedertes Schulsystem durch die Einführung einer Gemeinschaftsschule im wahrsten Sinne des Wortes »auf den Kopf zu stellen«, bringt das Fass zum Überlaufen.

Per Schnellverfahren wurden 34 Schulen in Baden-Württemberg durch das Versprechen zusätzlicher Finanzmittel gelockt, sich an dem ideologischen Großprojekt »Einheitsschule« zu beteiligen. Gepaart mit konsequenter Nichtberücksichtigung und Ignoranz gegenüber der PISA-Studie und anderer anerkannter Evaluierungsansätze, die der Gemeinschaftsschule deutlich schlechtere Ergebnisse bescheinigen als dem gegliederten Schulsystem.



Der Gesamtschule gelingt es demzufolge nicht, das kognitive Potenzial seiner Schüler voll auszuschöpfen. Ziel kann und darf es nicht sein, Baden-Württemberg dem desolaten Niveau der rot-grün geführten Bundesländer wie z. B. NRW anzupassen. Doch genau das passiert, da es noch kein ausgearbeitetes Konzept gibt. Eine Farce und eine nicht hinnehmbare, fahrlässige Wurschtelei der Landesregierung, 34 Schulen für ein Projekt auszuwählen, ohne dass konkrete Lehrinhalte und Konzepte überhaupt ausgearbeitet wurden. Ein waschechter Skandal, der durch den GEA-Artikel »Bildungssystem auf den Kopf gestellt« vom 20. Januar 2012 belegt wird.

Ein Schuldirektor einer jener 34 ausgewählten Schulen »wolle sich nun mit seinen Kollegen aus der Realschule und dem Gymnasium zusammensetzen, um deren Inhalte in ein (noch nicht bestehendes) Gesamtkonzept einzuarbeiten«. Der Bürger muss folglich davon ausgehen, dass jede der (vorerst) 34 zukünftigen Gesamtschulen ihr eigenes Bildungssüppchen kocht. Das kann und wird nicht zielführend sein und offenbart jene Gleichgültigkeit einer grün-roten Landesregierung, die in anderen Bundesländern großen Schaden angerichtet hat. Kritik gegenüber dem gegliederten Schulsystem, der »Bildungserfolg hänge zu sehr von der sozialen Herkunft ab«, setzt dem Ganzen die Krone auf. Es ist sicherlich richtig, dass Kinder aus gebildeteren und intakten Familien bedingt durch eine gute Erziehung, essenzielle Sprachförderung und Vorbereitung bessere Chancen auf gute Schulleistungen haben, doch darf das in keinster Weise als Entschuldigung für jene Eltern herhalten, die ihren Kindern diese Art der Erziehung und Vorbereitung nicht geben können oder wollen.

Vielmehr besteht die Aufgabe des Bildungssystems gerade aus diesem Grund darin, jeden Einzelnen gezielt zu fördern, gerade weil es in der Leistungsfähigkeit und Lernbereitschaft der Kinder aus vielerlei Hinsicht Unterschiede gibt. Eine individuelle Förderung kann nur durch ein gegliedertes Schulsystem effizient erfolgen.

Durch dessen Durchlässigkeit ist jederzeit einen »Aufstieg« möglich. Aber natürlich muss ein Schüler hierfür gewisse Leistungsnachweise erbringen. Ideologische Gleichmacherei darf nicht zu einem Absinken des gesamten Leistungsniveaus führen.

Christian Majer, Reutlingen



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