Zum Artikel »Gebrauchte Klamotten sind cool«/Sitzung des Jugendgemeinderates
»Ich schäme mich für das«
Die Aktion der Jugendlichen, Familien mit geringem Budget mit Kleidersammlungen zu unterstützen, verdient großen Respekt und Anerkennung! Man kann die Freude von Herrn Rist nur teilen, wenn er feststellt: »Der Solidaritätsgedanke lebt auch in der Jugend«.
Welch gegensätzlicher Geist drückt sich dann in der Antwort eines Stadtkämmerers auf die Frage einer Jugendlichen aus, wer denn die Schuldenlast von 48 000 Euro pro Bürger zurückzahlen soll, wenn er den Jugendlichen antwortet: »Es trifft eher Sie als mich«. Wie »ermutigend« muss es auf die Jugendlichen gewirkt haben, wenn die »überschaubaren« Sparmaßnahmen der Stadt von »nur« 700 000 Euro gerade im Jugend- und Erziehungsbereich vorgenommen werden sollen?
Den Freien Schulen kürzt man offensichtlich die Zuschüsse völlig, obwohl diese Eltern sich bewusst für ihre Kinder eine Bildungsstätte suchen, von der sie eine Erziehung erwarten, die ihre Kinder befähigen soll, auf die in der Zukunft zu erwartenden sozialen Fragen und von ihnen zu tragenden, unverschuldeten Lasten eine menschenwürdige Antwort zu finden. Dass diese Eltern einen besonderen Beitrag mit ihrem Schulgeld leisten, ist deutlich, dass sie aber auch mit ihren Steuern wie jeder andere Bürger ihren Anteil für die Erziehung und Bildung der ganzen Jugend tragen, wird verschwiegen. Stattdessen sagt man ihnen, sie sollten nicht »aufs Mitleid drücken«.
Neben der Freude über das, was in der Aktion der Jugendlichen an Aufmerksamkeit und sozialem Engagement erlebt werden kann, schäme ich mich für das, was in den Antworten der Verantwortlichen an innerer Haltung in dieser Sitzung zum Ausdruck gekommen ist.
Michael Kampermann (knapp 40 Jahre Lehrer gewesen), Pfullingen