Leserbriefe
Zum Bericht »Vorwurf: Forscher-Neugier tötet Affen«, GEA vom 7. Juni

»Für eine befreite Gesellschaft«

Anders als unsere Kooperationspartner »Ärzte gegen Tierversuche« sind wir zwar kein Verein, wie es in Ihrem Artikel heißt, aber dass Antispe-Gruppen sich gegen Diskriminierung, auch von nichtmenschlichen Tieren, einsetzen, stimmt. Die politische Tierbefreiungsbewegung sieht sich als logische Fortsetzung der großen historischen Emanzipationsbewegungen.

Als »Querschnitt durch den Gesellschaftsbau der Gegenwart« benutzte der Philosoph Max Horkheimer in einem Text von 1934 einmal die Metapher eines »Wolkenkratzers«, eines Hauses, dessen Keller ein Schlachthof und dessen Dach eine Kathedrale sei. Dieses Haus »gewährt in der Tat aus den Fenstern der oberen Stockwerke eine schöne Aussicht« - wir sollten unsere Augen aber vor dem Blick nach unten nicht verschließen.

Dabei kann sich unsere Solidarität nicht nur auf andere Menschen beschränken, genauso wenig, wie unser Bestreben sich nicht nur auf das Wohl nichtmenschlicher Tiere richten sollte, da wir damit jeweils nur Teilaspekte des Ausbeutungsapparates im Auge hätten. AntispeziesistInnen üben Kritik an jeglicher Art der Unterdrückung, kämpfen gegen Ausbeutung, auch gegen die nichtmenschlicher Tiere, aber ohne die Befreiung der Menschen aus dem Auge zu verlieren.

Der Begriff »Speziesismus« wurde gebildet, um die »Artenarroganz« des Menschen gegenüber anderen Spezies auszudrücken. Speziesismus kann analog zum Rassismus oder Sexismus als ein Zusammenhang von Vorurteilen und Klischees angesehen werden, der die Unterdrückung einer Gruppe aufgrund der Hervorhebung von Andersartigkeiten proklamiert.

Der im gesellschaftlichen Denken tief verankerte Mensch-Tier-Dualismus stellt alle anderen Tierarten zusammengefasst dem Menschen gegenüber.

Die Arbeit von Anti-SpeziesistInnen richtet sich in theoretischer Hinsicht darauf, dieses soziale Konstrukt, durch welches die Ausbeutung der Tiere legitimiert wird, zu dekonstruieren, in praktischer Hinsicht richtet sie sich gegen die materielle Basis der Ausbeutung. Letztlich kämpfen wir für eine befreite Gesellschaft; diese muss die Befreiung der Tiere beinhalten.

Matthias Rude für die Antispeziesistische Aktion Tübingen



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