Leserbriefe
Scheibengipfeltunnel/Brief »Viele Klischees bestätigt -«, GEA vom 4. 11. per E-Mail

»Die Kolonne ist ein Verband«

Lieber Herr Junghanns, mit Ihrem Leserbrief vom 4. November liegen Sie leider falsch. Die von Ihnen beschriebene Kolonne nennt man einen Verband. In der Straßenverkehrsordnung § 27 ist das Fahren von Verbänden geregelt. Ein Verband von Radfahrenden besteht aus mindestens 15 Fahrzeugen, es darf nebeneinander gefahren werden. Der Verband ist wie ein einziges Fahrzeug zu betrachten. Fährt das vordere Ende über die grüne Ampel in die Kreuzung ein, bleibt der Verband zusammen, auch wenn mittlerweile die Ampel auf Rot springt. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen einen Verband nicht unterbrechen, zum Beispiel indem sie in die Kreuzung einfahren, obwohl diese vom Verband noch nicht vollständig durchfahren wurde.

Das Hineinstellen mit dem Rad in Kreuzungen, die von dem Verband gerade durchfahren werden, ist leider nötig, um unwissende, unaufmerksame oder uneinsichtige Autofahrer daran zu erinnern, ansonsten möglicherweise eine Ordnungswidrigkeit zu begehen, indem sie sich mit Gewalt in den Verband drängeln. Die von Ihnen richtig beschriebenen gefährlichen Situationen sind also nicht durch die Radfahrer, sondern allein von den die Regeln missachtenden Autofahrern verursacht worden. Wie könnte ein Radfahrer auch einem Autofahrer gefährlich werden? Es ist leider immer andersherum, weswegen Autofahrern hier eine wesentlich größere Verantwortung zufällt, gefährliche Situationen zu vermeiden.

Man sollte im Allgemeinen sehr vorsichtig damit sein, wenn man härtere Strafen oder konsequentere Umsetzung in der Verfolgung einfordert, und sich vorher gründlich informieren, bevor man das öffentlich äußert. Es könnte sich als Bumerang erweisen. Es ist leider ein weitverbreitetes Phänomen oder vielleicht auch wieder nur ein Klischee, dass Autofahrer, die irgendwann einmal eine Führerscheinprüfung bestanden haben so tun, als hätten nur sie eine Ahnung, alle anderen aber nicht.

Die Behörden - Sie greifen diese ebenfalls an - haben nach meiner Auffassung umsichtig gehandelt. Die Zufahrt von der B 28 am Nordportal des Tunnels wurde von einer Streifenbesatzung abgesichert, weil an dieser Stelle tatsächlich schnell auf die Kreuzung zugefahren wird. Im täglichen Feierabendstau ist die Gefahr, bei einer Critical Mass einen Unfall zu erleiden, nicht höher einzuschätzen, als dies ohnehin in einer Autofahrerstadt wie Reutlingen der Fall ist. Nur heimlich wünsche ich mir bei den Critical Masses mitradelnde, uniformierte Polizeibeamte, die Verwarnungen an jene Autofahrer verteilen, die sich wirklich unmöglich benehmen.

Die meisten Menschen sind bekanntlich nicht nur mit einem Verkehrsmittel unterwegs, sondern Radler und Fußgänger und Autofahrer. Radeln Sie doch einfach mal bei einer Critical Mass mit und lernen Sie die andere Blickrichtung kennen. Andres Lächele, Reutlingen

Das könnte Sie auch interessieren
Leserbriefe

An unsere Leser

Wir freuen uns über jede Zuschrift. Bitte fassen Sie sich kurz, nur so können wir eine Vielzahl von Meinungsbeiträgen berücksichtigen. Auswahl und Kürzung von Beiträgen behalten wir uns ausdrücklich vor.

Bitte geben Sie bei jeder Einsendung, auch bei Zuleitung per E-Mail, Ihre volle Anschrift sowie Ihre Telefonnummer an. Anonyme Zuschriften veröffentlichen wir grundsätzlich nicht.

E-Mail: leserbriefe@gea.de
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Aktuelle Beilagen