Leserbriefe
Zum Brief »Bildungssystem wird an die Wand gefahren«, GEA vom 7. 10.per E-Mail

»Die Bedingungen stimmen nicht«

Sehr geehrte Frau Maier, Ihrem Leserbrief möchte ich mich voll und ganz anschließen. Ihr Verdacht, die bewährten Bildungspläne unserer Schulen würden aufgrund fiskalischer Gesichtspunkte ausgehebelt, wird dadurch bestärkt, dass bereits jetzt in Schleswig-Holstein für die berufliche Bildung nicht länger das Bildungs-, sondern das Wirtschaftsministerium zuständig sein soll.

Es fragt sich allerdings mittlerweile, welches denn einst die bewährten Bildungspläne waren? Regelmäßig werden neue hektische Veränderungen durchgeführt, und, bevor diese greifen konnten, auch bereits wieder verändert. Es kehrt seit Jahren keine Ruhe ein. Die Erwartungen an die Schulen (und Kindergärten) werden zunehmend hochgeschraubt, deren Unterstützung jedoch nicht. Noch immer wird den Kindern ihr Arbeitsmaterial nicht vom Staat gestellt, wie das zum Beispiel im hochgelobten Finnland der Fall ist, erfahren Lehrer und Lehrerinnen bei uns nur geringe Anerkennung, etwas was in Skandinavien undenkbar wäre, und verdienen die Grundschullehrerinnen und -lehrer weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen der anderen Schulen. Ebenso wie im Vorschulbereich gilt es in der Zwischenzeit, stets zu evaluieren und zu dokumentieren, ohne dafür zusätzlichen Freiraum bekommen zu haben oder diese Zusatzleistungen finanziell zu berücksichtigen. Die Zahl der Langzeitkranken steigt an und der Nachwuchs bleibt aus, weil die Zulassungsvoraussetzungen zu den Pädagogischen Hochschulen unsinnig hoch sind und waren. Auch jetzt will Frau Eisenmann hier nichts ändern, dabei wird eine weitere stetige Verschlechterung für die nächsten sieben Jahre in der Presse prognostiziert: In sieben Jahren wären heutige Erstsemestrige fertig ausgebildet.

Alternativ sollen die Lehrenden nicht mehr in Teilzeit arbeiten dürfen, sondern so vorhandene und künftige Löcher stopfen. Ein idealer Vorschlag, um langfristig noch weniger Personal zur Verfügung zu haben: noch mehr Langzeitkranke und deutlich weniger Bewerber.

Zusammengefasst: Die Arbeitsbedingungen stimmen nicht, die diversen Umbrüche werden in Hauruck-Aktionen übers Knie gebrochen, ohne die Voraussetzungen dafür geprüft und gegebenenfalls geschaffen zu haben, und die wenigen Lehrer und Lehrerinnen, die man noch hat und die sich bemühen, den neuen Reglements jeweils zu folgen, sind dann am schlechten Abschneiden bei diversen Studien schuld. Froh sollte man darüber sein, dass sich heute überhaupt noch junge Menschen für einen in der Zwischenzeit so wenig attraktiven Beruf bewerben. Annette Kessmeyer, Reutlingen

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