Zum Artikel »Mein Assistent in Indien« in Heimat und Welt
»Büroarbeit ist Vertrauenssache«
In dem Artikel wird wieder einmal sehr euphorisch über die Möglichkeiten des weltweiten Internets geschrieben. So schreibt der Firmengründer: »Die Möglichkeit, Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu Einkommen zu verhelfen, sei ihm sympathisch. Doch wenn es nur darum gehe, Lohnkosten zu drücken, höre der Spaß auf.« Der Spaß hört schon vorher auf, denn jede Stunde Büroarbeit, die auf diese Weise ausgelagert wird, geht den oft selbstständigen Anbietern vor Ort an Auftragsvolumen verloren. Wenn ein Betrieb merkt, dass diese Art der Arbeitsüberlassung für ihn doch nicht geeignet ist, kann es aber für den einen oder anderen Dienstleister vor Ort schon zu spät sein.
Denn, dass Firmen bemerken, dass Büroarbeit Vertrauenssache ist, entbehrt sicher keiner Logik. Firmendaten um den halben Globus oder auch »nur« nach Bulgarien zu schicken, ist doch etwas naiv. Wie oft wird bereits hier vor Industriespionage gewarnt. Selbst ein Bürodienstleister vor Ort muss sich erst das Vertrauen seines Auftraggebers erarbeiten und kann dies insbesondere durch persönlichen Kontakt sichern. Sicher können Routinetätigkeiten auch übers Internet abgewickelt werden, aber gerade das Internet zeigt durch die Anonymität auch seine Tücken - man denke an Datendiebe und Hacker. Eine kompetente Kraft vor Ort kann durchaus über das Internet gefunden werden. Sie erscheint aber anschließend beim Kunden »Life und in Farbe«. Regionale Kenntnisse und der Bezug zum Unternehmen ermöglichen es erst, eine echte Kundenbeziehung aufzubauen. Die Möglichkeit Zusammenhänge wahrzunehmen und bei Bedarf auch Lösungswege zu erarbeiten, lassen sich durch eine virtuelle Kraft nicht realisieren. Selbstständige Bürodienstleister gibt es eben aufgrund der Vielzahl von Entlassungen der letzten Zeit vermehrt. Selbst hier ist die Qualität und Kompetenz nicht sofort einwandfrei erkennbar und ein Gespräch von Mensch zu Mensch sowie eine Arbeitsprobe können vor unangenehmen Überraschungen schützen.
Wir freuen uns über jede Zuschrift. Bitte fassen Sie sich kurz, nur so können wir eine Vielzahl von Meinungsbeiträgen berücksichtigen. Auswahl und Kürzung von Beiträgen behalten wir uns ausdrücklich vor.
Bitte geben Sie bei jeder Einsendung, auch bei Zuleitung per E-Mail, Ihre volle Anschrift sowie Ihre Telefonnummer an. Anonyme Zuschriften veröffentlichen wir grundsätzlich nicht.