Preistanzen/Zum Bericht »Hochleistungssport mit strahlendem Lächeln«, GEA vom 16. 1.
»Besonders schwierig wird es bei der Bewertung«
Dass es bei Wettbewerben im Sport nicht immer gerecht zugeht, ist kein großes Geheimnis. Und dass oftmals bei hiesigen Preistanzen den benachbarten Gemeinden ein Bonbon zugesprochen wird, ebenso wenig. Besonders schwierig wird es jedoch, wenn es bei den Preistanzen keine gemeinsamen Bewertungsrichtlinien gibt.
Die Jury setzt sich einmal aus Fachleuten außerhalb der Gardetänze zusammen, ein anderes Mal aus Gardeleiterinnen, in erster Linie handelt es sich jedoch um Wertungs-Laien. Und man wird des Öfteren das Gefühl nicht los, die Objektivität über tänzerische Qualitäten gerate ob dem persönlichen Geschmack in den Hintergrund.
Da die Sonnenbühler Mitglied im Landesverband Württembergischer Karnevalsvereine (LWK) sind, könnte man meinen, die Bewertung wäre daran angelehnt. Eins zu eins übernehmen kann man die Richtlinien jedoch nicht, denn sie sind auf die hiesigen Showtänze nicht in allen Punkten anwendbar, zum Beispiel in Bezug auf die Länge der Tänze oder die Bühnenpräsenz aller Tänzerinnen. Darüber hinaus sollte man Gruppen vorher darüber in Kenntnis setzen, wenn es zum Beispiel Punktabzug gibt, weil die Kostüme zu aufreizend sind.
Auch ich saß bereits mehrfach in solch einer Jury, so auch beim letzten Preistanzen in Unterhausen. Obwohl ich selbst jahrelang Tänzerin und Trainerin dort war, habe ich nie einen Lehrgang für Preisrichter besucht, aber ich habe ein Auge dafür entwickelt, ob ein Tanz, was Choreografie und Schwierigkeitsgrad der Schritte anbelangt, hochwertig ist. Stetten hatte bereits beim Preistanzen in Unterhausen zu Recht den ersten Platz belegt.
Hier könnte man im Vergleich zur Unterhausener Garde sehr wohl das Argument von Katja Eissler gelten lassen, der persönliche Geschmack spiele bei der Punktevergabe eine Rolle, denn tänzerisch war Stetten sehr gut, und da sind schlussendlich nur Nuancen entscheidend.
Die Garden aus Trochtelfingen und Engstingen können sich tänzerisch ebenfalls das Wasser reichen, sodass auch hier der persönliche Geschmack eine Rolle spielen kann, wobei beim Wettbewerb in Unterhausen am Ende die exakte Ausführung entscheidend dafür war, wer aufs Treppchen steigen durfte.
Ohne beiden Garden zu nahe treten zu wollen, sind jedoch das tänzerische Niveau, die Ausführung und der Schwierigkeitsgrad nicht zu vergleichen mit Stetten oder Unterhausen. Da drängt sich der Verdacht auf, dass sich das Dilemma wiederholt, das Stetten zu früheren Zeiten mit dem Tanz »Chicago« hatte.
Ausführung und Choreografie sowie Kostüme waren großartig, und trotzdem kamen die Stettener bei verschiedenen Wettbewerben nicht einmal unter die ersten drei Platzierungen, weil angeblich die Kostüme zu frivol und die Bewegungen zu provokant waren.
Diese Bewertungen stießen bei mir und noch so manch anderem auf Unverständnis, denn barbusige Damen sieht man bereits am Nachmittag im Fernsehen und sowohl die Kostüme der Stettener damals als auch die der Unterhausener heute lassen keinen Blick auf etwas zu, was man nicht schon am Bildschirm in weit freizügigeren Varianten gesehen hätte. Legt man natürlich die Bewertungskriterien des LWK zugrunde, wo in Zeiten von schwulen Außenministern und mehrfach geschiedenen Kanzlern der Blick unter den Can Can-Rock einer Tänzerin zu Punktabzügen führt, hat eine Gruppe mit pikanterem Outfit einen schweren Stand.
Man könnte nun noch argumentieren, »Burlesque« wäre keine eigenständige Idee und abgekupfert, doch auch da dürfen nicht die tänzerische Qualität und die Umsetzung völlig außer Acht gelassen werden - vor allem im Hinblick darauf, dass auch große Garden Musicals zum Thema gemacht, aber trotzdem Wettbewerbe gewonnen haben.
Vielleicht ist es ja einfach nur so, dass der Neidfaktor doch eine größere Rolle spielt als man das offiziell je zugeben würde, da Unterhausen zu den wenigen Garden der Umgebung gehört, die seit Jahrzehnten bei den vorderen Plätzen mitmischen.
Die frühere Aussage eines führenden Vereinsmitglieds nach einem Wettbewerb legt diesen Verdacht nahe - Zitat: »Mehr als zweimal hintereinander hat bei uns noch keine Gruppe den ersten Platz belegt«. Diese Erfahrung musste ich schon vor beinahe 20 Jahren machen. Als ich noch selbst aktiv war, wurden wir nicht mehr zu Preistanzen eingeladen, weil sonst andere Gruppen eine Teilnahme verweigert hätten.
Was auch immer der Grund für die Bewertung in Sonnenbühl war, so hoffe ich für die Mädels aus Unterhausen, dass sie bei den nächsten Wettbewerben an eine kompetentere, objektive Jury geraten.
Wir freuen uns über jede Zuschrift. Bitte fassen Sie sich kurz, nur so können wir eine Vielzahl von Meinungsbeiträgen berücksichtigen. Auswahl und Kürzung von Beiträgen behalten wir uns ausdrücklich vor.
Bitte geben Sie bei jeder Einsendung, auch bei Zuleitung per E-Mail, Ihre volle Anschrift sowie Ihre Telefonnummer an. Anonyme Zuschriften veröffentlichen wir grundsätzlich nicht.