Leserbriefe
Christlich-islamischer Dialog/Zur Veranstaltung am 22. Februar

»Auch unter Christen extreme Strömungen«

Während der letzten Wochen habe ich auf der Seite der muslimischen Vertreter an zwei christlich-islamischen Begegnungen teilgenommen und versucht meinen bescheidenen Beitrag zur Förderung des christlich-islamischen Dialogs zu leisten. Mein Zwischenresümee ist zwiegespalten: Einerseits war ich über die offene, interessierte und freundliche Gesprächsatmosphäre erfreut, andererseits waren wir als muslimische Vertreter negativ überrascht über die unangemessene und unzeitgemäße Gesprächskultur von einigen Teilnehmern, die einer Freikirche angehören.

Beim letzten Dialogabend wurden unter anderem Jesus und das Christentum aus der Sicht des Islams anhand des Korans dargestellt. Ich hatte den Eindruck, dass die meisten Zuhörer unsere Perspektive mit Offenheit und Neugier begegnet sind. Leider waren neben den dialoginteressierten Teilnehmern auch solche, die überhaupt nicht an einem Dialog interessiert waren beziehungsweise von vornherein sich die Aufgabe gestellt hatten, jedweden Dialog zwischen Christen und Muslimen zu stören. Diese Teilnehmer, die einer evangelischen Freikirche in Reutlingen angehören, hatten bereits vor circa drei Wochen in der Christuskirche in Reutlingen mit ähnlichen Aktionen versucht, den Dialog zu behindern. Glücklicherweise wurden diese Bestrebungen durch gläubige Christen sofort unterbunden. Es ist für mich erstaunlich, dass ausgerechnet diejenigen, die Muslimen barbarische und radikale Eigenschaften zuschreiben auch diejenigen sind, die sich selbst mit derart kulturell unfähiger Art Wort verschaffen wollen. Auch sind es diejenigen, die sagen, dass Jesus alle Menschen liebt und seinen Nächsten lieben soll wie sich selbst, sich aber selbst in der Realität widersprüchlich hierzu verhalten. Meiner Einschätzung nach wird diese kleine Gruppierung weiterhin versuchen zukünftige Dialogveranstaltungen für ihre unchristlichen Absichten und Bestrebungen zu missbrauchen, um den interreligiösen Dialog zu behindern. Meine wichtigste Erkenntnis aus den Dialogabenden war diese, dass ich gesehen habe, dass auch unter Christen extreme Strömungen existieren, die ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Glaubens- und Weltanschauungen nicht möchten. Für mich bleibt festzuhalten, dass es zwischen Christen und Muslimen sehr wohl Überschneidungspunkte gibt, die sich unter anderem im Glauben an den gleichen Gott (auf arabisch Allah), an Jesus (bei uns als Prophet) und an die 10 Gebote zeigen. Ich wünsche mir und unseren christlichen Mitmenschen weitere fruchtbare Dialogabende und ein friedliches Zusammenleben.



Mesut Demirezen, Reutlingen



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