Leserbriefe
Zum GEA-Artikel »OB Barbara Bosch soll Gegendemos verbieten« vom 30.1.

»AfD-Opferrolle erreicht Reutlingen«

Zugegebenermaßen hat mich die Überschrift des Artikels etwas neugierig gemacht. Also habe ich mir diesen offenen Brief auf der Facebook-Seite des AfD Kreisverbandes Reutlingen komplett durchgelesen. Mein erster Gedanke war, »Die AfD-Opferrolle« erreicht Reutlingen. Wenn man allerdings den gesamten Brief näher durchleuchtet, stößt man auch auf eine Ansammlung von Mutmaßungen und Unterstellungen.

Die erste falsche Darstellung in der Überschrift, dort wird über eine »Reutlinger Antifa-Gruppe ROSA« gesprochen. Hätte sich die AfD die Mühe gemacht, die Seite der Gruppe ROSA durchzulesen, wäre sie auf folgenden Absatz gestoßen: »Entgegen den Behauptungen der Presse oder AfD-Sympathisanten, ist unsere Gruppe weder ein Zusammenschluss von Menschen aus der Zelle noch eine »Antifa«-Untergruppierung.«

Im ersten Absatz des Briefes wird behauptet dass die Einsatzbefehle der Polizei im Vorjahr zurückhaltend waren. Bei einer Formulierung dieser Art müssten die Einsatzbefehle des letzten Jahres der AfD vorliegen. Dies würde mich erstaunen, aber da ich das nicht ausschließen kann, bitte ich die AfD hiermit diese Einsatzbefehle zu veröffentlichen, damit sich jeder ein Bild davon machen kann. In Absatz zwei wird von gewalttätigen Aktionen gesprochen. Laut GEA Artikel vom 20.01.2018 ist die Kundgebung absolut friedlich verlaufen.

Im nächsten Abschnitt muss ich den Verfassern dieses offenen Briefes allerdings die demokratische Ernsthaftigkeit absprechen. Sie fordern die Stadt auf, Gegendemonstrationen bei AfD Veranstaltungen nicht zu genehmigen. Hierzu möchten Sie also Artikel 8 GG (Demonstrationsrecht) und damit auch Artikel 5 GG (freie Meinungsäußerung) für die Dauer ihrer Veranstaltung außer Kraft setzen, wider aller demokratischen Regeln. Es ist schon beeindruckend, dass eine Partei, die zigfach erwähnt, wie demokratisch sie doch sei, zur partiellen Aussetzung des Grundgesetzes aufruft. Gott sei Dank leben wir in einem Rechtsstaat.

Im nächsten Absatz wird der Stadtverwaltung unterstellt, der Organisation Räume zur Verfügung gestellt zu haben, höchstwahrscheinlich unentgeltlich. Das Erste kann die AfD nicht nachweisen, die zweite Behauptung ist reine Spekulation. Die Gruppe ROSA gibt lediglich an, sich in diesen Räumen zu treffen. Wieso die Gruppe ROSA antidemokratisch sein soll, dürfen sie gerne näher erläutern.

Ich mache einen Sprung in den letzten Absatz. Die AfD fordert die Oberbürgermeisterin auf? Auf welcher Basis sollte die AfD Frau Bosch zu irgendetwas auffordern können? Liebe AfD, wenn ihr mit Frau Bosch sprechen wollt, ist das Wort »Bitte« keine Beleidigung. Was bleibt schlussendlich also übrig vom offenen Brief an die OB Frau Bosch und an die Gruppe ROSA, eigentlich nichts.

Sollte der offene Brief versehentlich von einem Praktikanten oder einem nicht autorisierten Mitarbeiter verfasst und veröffentlicht worden sein ziehe ich meine Kritik zurück. Liebe AfD, ich befürchte, Ihre Häppchen werden Sie auch in den nächsten Jahren begleitet essen. Draußen auf dem Marktplatz reden dann vielleicht Menschen der IG Metall oder der Linken, die Sie in Ihrer Aufregung bei der Verfassung Ihres Briefes vergessen haben. Ich gehe davon aus, dass Sie diesen beiden Gruppierungen nicht auch die demokratische Legitimation absprechen wollen.

Uwe Mayer, Reutlingen

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