Windenergie - Gammertinger Gemeinderat legt sich auf Konzentrationszone auf Gemarkung Kettenacker fest

Größerer Abstand zur Siedlung

VON HILDE BUTSCHER

GAMMERTINGEN. »Wir kommen jetzt zu meinem Lieblingsthema.« Mit diesen Worten stieg Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg am Dienstagabend ins Thema Windenergie ein. Fast hätte man meinen können, etwas Ironie herauszuhören. »Manche von Ihnen haben das Thema schon zum dritten Mal gehört.« Vom Ratstisch war ein »zum fünften Mal!« zu hören.

Überdruss hin oder her - bei der jüngsten Sitzung des Gammertinger Gemeinderats mussten sich die Räte wieder einmal mit dem Thema beschäftigen, es ging darum, bezüglich der Festlegung möglicher Konzentrationszonen einen Empfehlungsbeschluss zum Flächennutzungsplan-Entwurf »Windenergienutzung« an die Verbandsversammlung Laucherttal abzugeben.

»Im Schweinsgalopp« erläuterte Jerg noch einmal die Situation. Zur nachhaltigen Ausweitung der Windenergienutzung in Baden-Württemberg hat die Landesregierung im Frühjahr 2012 das Landesplanungsgesetz geändert. Bisher wurden mögliche Standorte für Windkraftanlagen vorgegeben, jetzt können erstmalig die Gemeinden planungsrechtliche Kompetenzen wahrnehmen und, unter Berücksichtigung strenger Kriterien, solche Gebiete selbst ausweisen.

Auf dem Gebiet des Verwaltungsverbandes Laucherttal wurden in Veringenstadt, Hettingen und Neufra geeignete Standorte gefunden. In Gammertingen kommen lediglich Flächen auf der Gemarkung Kettenacker infrage. Der Gemeinderat hatte jetzt die Aufgabe, die Konzentrationszone für Gammertingen festzulegen.

Elmar Molnar, SPD, sagte, »wenn uns die Politik vorschreibt, Flächen auszuweisen und wir alle Raster darübergelegt haben, dann bin ich der Meinung, wir müssen es tun«. Die aus Kettenacker geäußerten Bedenken und Ängste könne er aber durchaus nachvollziehen. Wolfgang Lieb, Gleiches Recht für alle, hielt es nur für konsequent, dass der Strom für die Region auch in der Region produziert werde. Einer Entscheidung könne man sich nicht verschließen. Natürlich habe er sich anfänglich gewundert, warum der gesetzlich vorgeschriebene Abstand der Windkraftanlagen zur Wohnstatt des Milans größer sei als der zu menschlichen Siedlungen. »Letztendlich kam ich zu dem Schluss, der Milan braucht keinen Strom.«

Vier Standorte im Laucherttal

Dass die Kettenacker Sorgen haben, ist klar. Ortsvorsteher Wilfried Klekler formulierte sie noch einmal, hob vor allem den Abstand der Windräder zum Dorf hervor. Man habe aber erkannt, dass mit der Ausweisung einer Konzentrationszone mehr Kontrolle über die Ansiedlung von Windrädern ausgeübt werden könne.

Jerg sagte zu, dass sich die Stadt, als Eigentümer eines Großteils der Grundstücke innerhalb der Konzentrationsfläche, für größere Abstände zur Bebauung einsetzen werde. Dies könne aber erst in einem zweiten Schritt, nicht bereits in der Ausweisung erfolgen. Der Schultes stellte aber auch noch einmal klar: »Keiner von uns hier kriegt Vermittlungsprovision, wir erfüllen nachvollziehbare gesetzliche Vorgaben.« Dies geschehe im Interesse der Bürger. »Mehr können wir nicht tun.«

So beschloss der Gemeinderat einstimmig, der Verbandsversammlung als mögliche Konzentrationsfläche das Gebiet südlich von Kettenacker vorzuschlagen, verbunden mit der Empfehlung, möglichst vier Potenzialflächen fürs Laucherttal festzulegen. Der Verwaltungsverband wird in seiner Sitzung am 6. Dezember darüber entscheiden. (GEA)



Das könnte Sie auch interessieren