INTERVIEW - Fredi Bobic, Sportdirektor des VfB Stuttgart, über Spielerberater, Personalkosten und andere Probleme
»Es wird ein heftiges Übergangsjahr«
STUTTGART. In der Politik wird den Protagonisten im neuen Amt bekanntlich 100 Tagen Zeit gegeben bis zu einer ersten größeren Leistungs-Bewertung. Im schnelllebigen Geschäft Profi-Fußball gilt eine derartige komfortable Spanne nicht. Seit dem 27. Juli ist Fredi Bobic neuer Sportdirektor beim VfB Stuttgart. Im Gespräch mit GEA-Redakteur Frank Ernst zieht der 38-jährige Ex-Nationalspieler zum einen Bilanz seiner bisherigen 23 Tage als Nachfolger von Horst Heldt, blickt aber auch schon auf die am Sonntag in Mainz beginnende Erstliga-Saison voraus und sagt: »Es wird wohl ein ziemlich heftiges Übergangsjahr für den VfB.«
Möchte mit dem VfB Stuttgart in der Europa League nach erfolgreicher Qualifikation gegen Slovan Bratislava »gutes Geld verdienen«: Sportdirektor Fredi Bobic. FOTO: APN
GEA: Sind Sie schon angekommen in Ihrem neuen Job?
Fredi Bobic: Von der ersten Minute an. Der VfB ist mein Verein, Stuttgart meine Stadt. Auch wenn ich als Profi nach der aktiven Zeit hier noch bei fünf anderen Klubs war - meine Wurzeln sind in Stuttgart. Allerdings war ich überrascht, was sich alles verändert hat.
Können Sie das bitte präzisieren?
Bobic: Das fängt beim Stadion an, das sich sicherlich nach dem Umbau im nächsten Jahr eine echtes Schmuckstück ist, geht beim hoch funktionellen Trainingszentrum weiter und hört bei den Mitarbeitern auf. Viele kannte ich teilweise als Praktikanten, heute haben sie leitende Positionen. Ich finde es toll, wie sich vieles beim VfB entwickelt hat. Das spricht für einen gut geführten Klub.
»Vereine wie der FC Schalke 04 gehen ein höheres Risiko als wir« §§ Apropos Stadion. Durch den zweijährigen Umbau und die damit verbundenen Mindereinnahmen durch reduzierte Zuschauerkapazität fehlen auch in dieser Saison wieder einige Millionen. Sie haben bereits die Personalkosten deutlich reduziert. Was kommt noch auf den VfB zu?
Bobic: »Es wird ein wohl ziemlich heftiges Übergangsjahr für den VfB Stuttgart. Es ist richtig: Mit Jens Lehmann, Sami Khedira, Alexander Hleb oder auch Roberto Hilbert stehen einige gestandene Profis nicht mehr auf unserer Gehaltsliste. Sie haben sicher auch gut verdient. Das entlastet uns natürlich. Wir mussten auch Kosten sparen. Allerdings ist mit vor der Zukunft des Vereins nicht Angst und bange.
Fühlen Sie sich als potenzieller Europa-League-Teilnehmer aber nicht verschaukelt wenn Sie beobachten, wie in anderen Ländern, aber auch in der Bundesliga - nennen wir es vorsichtig - unseriös gewirtschaftet wird, während Sie in Stuttgart jeden Euro umdrehen?
Bobic: Da wird sich in der Tat erst wirklich was ändern, wenn die Uefa das Financial Fair Play einführt. Der Markt wird sich dann erst regulieren. Jedoch sind schon jetzt ziemlich viele italienische und englische Spieler im Angebot, was Rückschlüsse über mögliche finanzielle Probleme in deren Ligen zulässt.
Und was ist mit der Bundesliga?
Bobic: Dass in der Bundesliga unseriös gewirtschaftet wird, glaube ich nicht. Unter anderem habe ich während meiner Zeit bei der DFL nicht diesen Eindruck gewonnen. Richtig ist jedoch, dass Vereine wie der FC Schalke 04 wohl ein höheres Risiko gehen als wir.
Sie sind noch keine vier Wochen in Amt und Würden. Man hat aber das Gefühl, es sind gefühlte vier Monate.
Bobic: Ja Wahnsinn. Zurzeit ist es bei mir fast ein Rund-um-die-Uhr-Job. Das Geschäft ist in der Tat um einiges schneller geworden, als zu meiner aktiven Zeit.
Ist es auch schmutziger geworden?
Bobic: Nein, das nicht. Zumindest habe ich das bisher nicht feststellen können. Das was zum Beispiel mit Spielerberatern oder Klubs verabredet wurde, ging auch so in Ordnung. Allerdings gestalten sich - wie im Fall des slowakischen WM-Spielers Vladimir Weiss - die Dinge manchmal zäh wie Kaugummi.
Hand aufs Herz: Ist Ihnen - als Manager-Novize - schon ein größerer Bock unterlaufen?
Bobic: Ich bin glücklicherweise bisher noch nicht auf dem falschen Fuß erwischt worden.
Auch nicht kürzlich von einem Hamburger Nachrichtenmagazin, dass Ihnen in der Geschichte 'Stuttgarter Gschmäckle' vorwarf, mit dem Spielerberater Jürgen Schwab - der auch Profis wie Christian Gentner beim VfB vertritt - ein Sportgeschäft zu betreiben?
Bobic: Erstens wurde diese Verbindung schon vor meinem Amtsantritt beim VfB geklärt. Da gab und gibt es überhaupt keine Bedenken seitens der Führungsgremien. Zudem ist meine langjährige Freundschaft und Geschäftsbeziehung zu Jürgen Schwab hinreichend bekannt. Ich würde mich außerdem nie auf irgendeine Klüngelei einlassen. Vielleicht hat man bei dem Hamburger Magazin einfach das Haar in der Suppe gesucht.
§§ »Zur Erinnerung - auch Jens Lehmann hat Fehler gemacht«
Zu Jürgen Schwabs Klienten gehört auch Ihre neue Nummer eins zwischen den Pfosten, Sven Ulreich. Haben Sie ein gutes Gefühl, dass er mit seinen 22 Jahren die große Lücke schließen wird, die Jens Lehmann hinterlassen hat?
Bobic: Ich kenne den Sven schon länger und er genießt unser absolutes Vertrauen. Außerdem werden wir definitiv im Fall der Fälle nicht anfangen, irgendwelche Fehler-Diskussionen zu eröffnen. Und nur mal zur Erinnerung - auch Jens Lehmann hat seine Fehler gemacht.
Sie haben zuletzt als Sportdirektor mit dem Trainer und Ex-VfB-Star Krassimir Balakov in Bulgarien bei Chernomorets Burgas zusammengearbeitet. Wird das einst so ruhmreiche 'magische Dreieck' mit möglicherweise Giovane Elber als Co-Trainer irgendwann beim VfB wieder aufleben?
Bobic (lacht laut): Aber nur in der VfB-Traditions-Mannschaft. (GEA)