Reutlingen - Bremen 1:3 - SSV zieht sich achtbar aus der Affäre. Rill bringt den Oberligisten vor 5 600 Zuschauern sogar in Führung. Buchwald »positiv überrascht«
Schaaf verteilt Kompliment
Von Manfred Kretschmer
REUTLINGEN. So viele strahlende Gesichter gab's an der Kreuzeiche schon lange nicht mehr. Die Oberliga-Fußballer des SSV Reutlingen hielten im Testspiel gegen den viermaligen deutschen Meister und Champions-League-Qualifikanten SV Werder Bremen gut mit. Am Ende behielt der Bundesligist vor 5 600 Zuschauern mit 3:1 (3:1) die Oberhand.
Marko Arnautovic (links) im Zweikampf mit dem Reutlinger Ersah Öztürk.
FOTO: Uschi Pacher
»Super, das freut mich riesig«, meinte der SSV-Insolvenzverwalter Dr. Axel Kulas. Damit meinte er zum einen die stattliche Kulisse und zum zweiten die gute Leistung der Mannschaft (»sie hat echte Eigenwerbung betrieben«). »Vor diesen Zuschauern zu spielen, hat riesig Spaß gemacht«, stellte SSV-Keeper Patrick Gühring fest, der in der ersten Halbzeit bei Schüssen von Hugo Almeida, Marko Arnautovic und Aaron Hunt glänzende Paraden hinlegte. Der aus der A-Jugend hochgerückte Julian Grupp, einmal mehr mit einer couragierten Leistung aufwartend, sprach von einer »schönen Erfahrung und tollen Sache«. Glücklich war auch Tobias Jäger, seit Jahren eine Stütze der zweiten Mannschaft der Nullfünfer. Der 30-Jährige, ein glühender Fan von Werder Bremen, wurde von Trainer Lothar Mattner vier Minuten vor Feierabend für den Testspieler Christian Grujicic aufs Feld geschickt.
Doch nicht nur die Reutlinger strahlten nach diesem Testspiel. Auch die Verantwortlichen des SV Werder hatten einen gelungenen Auftritt in der Achalmstadt. Trainer Thomas Schaaf verteilte ein dickes Kompliment an die Gastgeber: »Der SSV war aktiv, hat mutig agiert. Gratulation, das war gut anzusehen.« Manager Klaus Allofs stellte fest, dass man in diesen Begegnungen »ganz nahe an den Fans dran« sei. »Ich glaube, dass da etwas hängen bleibt.«
Die Bremer mussten in diesem Testspiel neben den deutschen WM-Fahrern Mesut Özil, Per Mertesacker, Marko Marin und Tim Wiese auch auf den peruanischen Stürmerstar Claudio Pizarro verzichten. Er habe Pizarro, den eine Zerrung im Oberschenkel plagte, »in den letzten Tagen langsam herangeführt«, erklärte Schaaf. Am Dienstag im Trainingslager in Donaueschingen habe er nur ein Einzeltraining absolviert, sodass ein Einsatz in Reutlingen nicht in Frage kam. Pizarro, der auf Bierbänken neben der voll besetzten Werder-Ersatzbank saß, kommt wahrscheinlich beim nächsten Testspiel der Grün-Weißen am Freitag gegen den Bundesliga-Rivalen SC Freiburg zum Einsatz.
»Die Partie war eine gute Abwechslung in unserem Trainingsbetrieb«, so Schaaf. Er habe bei seinem Team »vor allem in der ersten Halbzeit viele gute Sachen gesehen«. Im zweiten Durchgang sei die Müdigkeit der Spieler deutlich geworden. Zur Überraschung der Fans ging der SSV in der 14. Minute durch Andreas Rill in Führung. »Das war ein schöner Pass von Ilias Klimatsidas«, bedankte sich Rill beim Vorlagengeber. Der portugiesische WM-Teilnehmer Hugo Almeida bereitete alle drei Bremer Treffer durch Aaron Hunt (21.), Tim Borowski (36.) und Marko Arnautovic (39.) vor.
Angetan von der ansehnlichen Leistung des SSV war auch der in Walddorfhäslach wohnende Weltmeister von 1990, Guido Buchwald: »Ich war positiv überrascht von Reutlingen.« (GEA)