SSV Reutlingen
SSV Reutlingen - Eisenlohr: »Die Regionalliga soll nicht wackeln. Da muss aber ein Ruck durch Reutlingen gehen«

Ehrgeiziges Ziel kaum noch machbar

Von Frank Pleyer

REUTLINGEN. Beim Fußball-Regionalligisten SSV Reutlingen deutet alles darauf hin, dass der ursprüngliche, ehrgeizige Plan, in der nächsten Saison den Angriff auf die vorderen Tabellenplätze zu starten, nicht zu verwirklichen ist. Grund ist die schwierige finanzielle Situation des Kreuzeiche-Klubs, der in diesen Wochen dabei ist, die Lizenzierungs-Unterlagen auf den Weg zu bringen. »Wir wollen auch den sportlichen Erfolg. Aber wir müssen die Konsolidierung im Auge behalten - sie hat Vorrang«, erklärt SSV-Präsident Fritjof Eisenlohr.

Ein Kandidat für die linke Außenbahn: Dominik Bentele.  GEA-FOTO: PACHER
Ein Kandidat für die linke Außenbahn: Dominik Bentele. GEA-FOTO: PACHER
Das soll aber offenbar nicht heißen, dass man im Vorstand bereit wäre, die Zugehörigkeit des Vereins zur vierten Liga in Frage zu stellen. »Die Regionalliga soll nicht wackeln«, betont Eisenlohr. Aber dafür müsse »ein Ruck durch Reutlingen gehen«. In der Vergangenheit war dies schon einmal gelungen. Der Klub-Chef erinnerte in diesem Zusammenhang an den Sommer 2006, als der SSV binnen einer Woche eine Deckungslücke von 1,5 Millionen Euro schließen musste - und es schaffte. »Das war damals die Euphorie nach dem Aufstieg in die Regionalliga. Dies wäre so nicht mehr möglich«, sagt Eisenlohr.

Gespräche nach allen Seiten hin

Diesmal ist die Ausgangslage eine andere. Um das Team für höhere sportliche Aufgaben auszurüsten, müsste der Kader für die Spielzeit 2010/11 entsprechend verstärkt werden. Eine Etat-Aufstockung von 200 000 bis 300 000 Euro hält Trainer Roland Seitz für notwendig. Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Lage ist dies aber nur zu bewerkstelligen, falls größere Sponsoren gewonnen oder ein Stadionpatronat abgeschlossen werden kann. Nach Aussage von Eisenlohr würden »nach allen Seiten hin« Gespräche geführt werden. Unter allen Umständen soll vermieden werden, dass der Klub - wie vor dieser Saison geschehen - mit einer Deckungslücke (112 000 Euro) in die kommende Runde geht. Nach jetzigem Stand kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass der künftige Etat anstatt ausgebaut vielmehr zurückgeschraubt werden muss.

In Sachen Lizenzierung muss beim Deutschen Fußball-Bund bis 15. März der Nachweis der technischen Voraussetzungen erbracht werden. »Mit diesen Anforderungen haben wir nie Probleme«, stellte der kommissarische Geschäftsführer Michael Geckeler fest. Vor kurzem gab es daher ein Gespräch des SSV mit Vertretern von Stadt, DRK und Polizei. Bis 31. März müssen dann in Frankfurt der Etat-Ansatz und dessen finanzielle Absicherung für die nächste Regionalliga-Saison vorgelegt werden.

Auch sportlich ist die Situation für den SSV alles andere als einfach. Nicht nur, weil der Klub an diesem Samstag (14 Uhr) bei der Spvgg Greuther Fürth II die Leistungsträger Andreas Rill (verletzt) und Alban Meha (Gelb-Sperre) - wir berichteten - ersetzen muss.

Die über weite Strecken leblose Vorstellung des Teams beim 1:2 gegen Großaspach war ein Schlag ins Kontor. Der desolate Auftritt einiger Akteure hat Trainer Roland Seitz vor den Kopf gestoßen. Er sieht die Lage kritisch. »Wenn Spieler sagen, dass die Mannschaft nur 15 Minuten Gas gegeben hat, haben sie den Beruf verfehlt. Dann müssten wir sie eigentlich in die Wüste schicken. Wenn wir so weiterspielen, kommen wir in der Tabelle noch unten rein.«

Seitz greift durch

Das könne er sich nicht bieten lassen, fügt der Coach hinzu und kündigt Änderungen an. »Manche bekommen eine zweite Chance, andere bekommen sie nicht mehr.« So könnten Fabrice Makiadi, Fabian Fecker, Fabian Kurth oder Youngster Dominik Bentele in die Startformation aufrücken. Seitz erwartet von seinem Team beim Tabellensechsten Fürth eine geschlossene Mannschaftsleistung, »damit nachher jeder sagen kann, das war die Antwort auf das Großaspach-Spiel«.

Fürths »Zweite« hat am Mittwoch bei Eintracht Frankfurt II 2:1 gewonnen und wird für die 1:6-Vorrunden-Niederlage an der Kreuzeiche auf Revanche aus sein. »Die haben noch etwas gutzumachen - wir jetzt aber auch«, sagt SSV-Mittelfeldspieler Alexander Schreckinger, der im Vorjahr noch das Trikot der »Kleeblätter« getragen hat. (GEA)


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