SSV Reutlingen - Mattner-Elf strebt heute in Durlach den ersten Auswärtssieg an. Rückkehrer Patrick Gühring bezeichnet die Insolvenz als »Chance für einen Neuaufbau«
Der spielende Schlussmann
Von Manfred Kretschmer
REUTLINGEN. Klappt?s im vierten Versuch mit dem ersten Auswärtssieg? Die Reutlinger Oberliga-Fußballer gastieren am heutigen Freitag (18 Uhr) beim ASV Durlach ? und »dort wollen wir gewinnen«, so SSV-Trainer Lothar Mattner.
Die Nummer eins beim SSV befindet sich im Aufwind: Patrick Gühring. FOTO: EIBNER
Er fügt allerdings im nächsten Atemzug hinzu, dass die Badener vergangene Saison »die Oberliga dank ihrer Heimstärke gehalten« hätten. Zudem stehe in den Reihen der Durlacher mit Murat Cetinkaya einer der »überragenden Kicker in der Oberliga«. Für Durlach spielt auch ein Ex-Reutlinger: Kristof Müller.
Bei der Aufstellung könnte es nach dem 1:0-Heimsieg über Neckarelz einige Änderungen im SSV-Ensemble geben. Kristian Tomasek dürfte für Patrick Leyhr links hinten verteidigen. Hakan Cakmak habe in den vergangenen Tagen »gut trainiert«, so Mattner, der somit im Angriff die Qual der Wahl hat. Spielt Maikel Boric neben Andreas Rill? Oder Roberto Forzano? Oder Cakmak?
Mattner deutet an, dass er die Youngster Julian Grupp und Efstratios Tzakis je eine Halbzeit einsetzen möchte, in denen sie Vollgas geben sollen. Grupp und Tzakis streiften sich am Dienstag das Trikot der württembergischen Verbands-Auswahlmannschaft über, die in Homburg gegen das Saarland mit 4:1 gewann.
Tzakis trug sich bei dieser Rheinpokal-Partie in die Torschützenliste ein. »Grupp und Tzakis mussten in den vergangenen vier Wochen zehn Mal spielen«, verweist Mattner auf den hohen Kräfteverschleiß dieser Talente.
Sehr zufrieden ist Lothar Mattner mit den Auftritten seiner Nummer eins, Patrick Gühring. »Patrick hat eine sehr gute Entwicklung hinter sich«, lobt der Coach seinen Torspieler (die Bezeichnung Torhüter existiert für den Coach nicht).
Diese Entwicklung soll aber längst nicht abgeschlossen sein. Mattner: »Er soll die Mannschaft noch besser führen und noch viel mehr sprechen.« Gühring erklärt, dass für ihn das Spiel anfängt, sobald die gegnerische Elf den Ball hat. »Ich muss im modernen Spiel weit vorne stehen, auch wenn es manchen Zuschauern nicht gefällt«, sagt der 29-Jährige ? und hat ein aktuelles Beispiel parat. Als am Samstag Timo Seiler einen Ball auf Höhe der Mittellinie zurückköpfte, musste der bereits weit vor seinem Heiligtum stehende spielende Schlussmann dennoch Kopf und Kragen riskieren, um die Situation zu bereinigen.
Der in Öschingen aufgewachsene Gühring kehrte vor Saisonbeginn zu seinem Heimatverein SSV Reutlingen zurück, für den er von der F- bis zur A-Jugend im Gehäuse stand. Zuletzt pausierte er ein halbes Jahr und war davor eineinhalb Jahre bei den Stuttgarter Kickers.
Mit dem VfL Kirchheim wurde Gühring in der Saison 2006/07 Verbandsliga-Meister. »Ich sehe die Insolvenz beim SSV als Chance für einen Neuaufbau«, meint der in Göppingen arbeitende Betriebswirt. Die Stimmung innerhalb des neu zusammengestellten Teams bezeichnet er als »richtig gut«. Richtig gut wäre nicht nur für Gühring, wenn heute in Durlach der erste Auswärtssieg herausspringt. (GEA)