SSV Reutlingen - 2,5 Millionen Euro angemeldete Forderungen. Einstimmiger Beschluss der Gläubigerversammlung
Axel Kulas erhält grünes Licht
Von Manfred Kretschmer
REUTLINGEN. Gestern Mittag im Konferenzraum des Kreuzeiche-Stadions: Der SSV-Insolvenzverwalter Dr. Axel Kulas referiert über eine Stunde über seine Arbeit, berichtet über den Zustand des Vereins bei seinem Einstieg Ende März, erläutert die Vermögenswerte - und geht dann in die Offensive.
Insolvenzverwalter Dr. Axel Kulas.
FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Er habe vor etwa 30 Gläubigern (von insgesamt 68) »dafür geworben, dass die Struktur des Vereins erhaltenswert ist. Der Verein befindet sich auf einem guten Weg«. Hinterher spricht Kulas von einer »harmonischen« Gläubigerversammlung.
Die Gläubiger dürften zumindest mit einer Portion Ernüchterung die Heimreise angetreten haben. Andererseits sollte ihnen bewusst gewesen sein, dass es beim SSV nicht viel Bares zu holen gibt. Insgesamt wurden bei Kulas 2,5 Millionen Euro Forderungen angemeldet. Der in Tübingen wohnende Jurist machte den Gläubigern klar, dass sie »keine signifikante Quote« erwarten dürfen. Sie dürfte bei ein bis zwei Prozent liegen.
Die Gläubigerversammlung beschloss schließlich einstimmig, dass Kulas bis Ende August einen Insolvenzplan erstellen soll. Dieser Plan wird den Gläubigern zugeschickt. Bei einem Erörterungstermin Ende September wird darüber erst gesprochen und dann abgestimmt. Falls alles reibungslos über die Bühne geht, wäre der Verein nach Abschluss dieses Verfahrens schuldenfrei. Einige Nebengeräusche gibt es in diesen Tagen dennoch. So war zu hören, dass Kulas prüft, ob eine Insolvenzverschleppung vorliegt. »Das ist richtig«, bestätigt der Rechtsanwalt der Stuttgarter Kanzlei Brinkmann & Partner, »ich habe aber noch keine abschließende Meinung«. Falls eine Insolvenzverschleppung vorliegt, würde das nicht die jetzige, sondern die vorige Führungsmannschaft des SSV betreffen.
Kulas dankt SV Werder Bremen
Hinter den Kulissen wird beim SSV seit einiger Zeit nach vorne gerichtet gearbeitet. Nächsten Mittwoch gibt es eine Informationsveranstaltung für Mitglieder. »Da liegt ein richtig gutes Konzept vor«, so Kulas.
Sehr erfreut waren die SSV-Verantwortlichen über die stattliche Zuschauerzahl am Dienstag im Testspiel gegen Werder Bremen (1:3). 5 600 Fans spülten brutto über 50 000 Euro in die Kasse. Selbst wenn man davon Umsatzsteuer, Stadionmiete und Kosten für den Sicherheitsdienst abzieht, bleibt ein großer Brocken hängen. Das Geld fließt nicht nur in die Fußball-Abteilung. Auch die anderen Sparten des Klubs partizipieren an dem Erlös. Kulas: »Wir sind Werder Bremen und der Targobank unheimlich dankbar, dass sie überhaupt keine Kosten bei uns abgeladen haben.« (GEA)