SSV Reutlingen - Informationsveranstaltung am Mittwoch. Vorschlag: Die Fußball-Abteilung ausgliedern
Amann: »Risiko-Begrenzung«
Von Manfred Kretschmer
REUTLINGEN. Es ist offensichtlich. Und liegt in der Natur der Sache. Der in der Insolvenz steckende SSV Reutlingen befindet sich mitten in der größten Umbruchphase der 105-jährigen Vereinsgeschichte. Falls alles klappt, stimmen die Gläubiger Ende September dem Insolvenzplan zu, den in den nächsten Tagen und Wochen der Insolvenzverwalter Dr. Axel Kulas ausarbeitet.
Setzen sich für einen »neuen« SSV Reutlingen ein: Dr. Karsten Amann (links) und Jonas Eberle.
FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Danach dürfen die Verantwortlichen des Vereins fast alles - nur nicht die Hände in den Schoß legen. Im Herbst soll in einer Mitgliederversammlung eine neue Führungsmannschaft gewählt werden. Bis dahin müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Deshalb gibt es seit geraumer Zeit eine Gruppe, die fleißig am Tüfteln ist, die eine neue Satzung ausarbeitet und ein Leitbild erstellt.
»Wir haben kein fertiges Konzept mit einem fertigen Vorstands-Team«
Erste Ergebnisse sollen am morgigen Mittwoch (20 Uhr) im Presseraum des Kreuzeiche-Stadions vorgestellt werden. Dazu sind auch Nicht-Mitglieder eingeladen. Bei dieser Informationsveranstaltung berichtet außerdem Kulas über seine Tätigkeit und den Verlauf der Gläubigerversammlung.
»Wir möchten einen Neuanfang starten und dem Verein ein neues Gesicht geben«, sagt Jonas Eberle. Der 25-Jährige ist seit fünf Jahren Leiter der SSV-News-Redaktion und zeichnet zusammen mit Dieter König für das neue Konzept verantwortlich. Eberle betont allerdings, »dass wir kein fertiges Konzept mit einem fertigen Vorstands-Team haben«. Im Klartext: Die Vordenker sind offen für Personen, Kritik und Anregungen.
Dr. Karsten Amann hat die Leitung der Satzungskommission inne. »Mein Herz schlägt für den SSV seit Mitte der achtziger Jahre, als die Fußballer in der Verbandsliga spielten«, erklärt er seine Verbundenheit zum Verein. Kulas holte den Rechtsanwalt ins Boot. Die fünfköpfige Kommission mit Amann, Eberle, Martin Göggelmann, Manfred Grumbach und Jürgen Rauscher stellt den Interessierten heute Abend zwei Modelle vor. Bei dem einen wird die gesamte Fußball-Abteilung in einen eigenen Fußballverein ausgegliedert. Bei dem zweiten Modell bleiben die Kicker im Gesamtverein, die gegenwärtige Struktur würde also erhalten bleiben. Amann: »Wir favorisieren eindeutig das Modell, die Fußball-Abteilung auszugliedern.« Der Hauptgrund: In der Vergangenheit wurden die übrigen Sparten des Klubs in die Finanzprobleme der Balltreter hineingezogen. »Eine rechtliche und wirtschaftliche Trennung bedeutet Risiko-Begrenzung«, so Stadtrat Amann. Die Integration der Fußballer in den Hauptverein wäre mit einer automatischen Mitgliedschaft in beiden Vereinen gewährleistet.
Der Fußballverein, so der Vorschlag der Satzungskommission, hätte einen Vorstand sowie einen Aufsichtsrat - jeweils mit drei bis fünf Mitgliedern. Beim Hauptverein steht ein Präsidium mit drei bis fünf Personen an der Spitze. Im erweiterten Präsidium sitzen beispielsweise Beisitzer der Abteilungen. »Nach der Insolvenz hat jeder gesagt, man muss einen Neuanfang starten«, sagt Eberle. »Jetzt ist die Gelegenheit da, dem Verein ein neues Gesicht zu geben.« (GEA)