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Albaufstieg - FDP-Staatssekretär Jan Mücke informiert sich in Lichtenstein und weckt leise Hoffnungen

Die Region muss sich einig werden

LICHTENSTEIN. Die Schere hatte Rolf Goller vergessen, wie der SPD-Fraktionsvorsitzende vor dem Lichtensteiner Rathaus schmunzelnd einräumte. Aber es gab auch kein Band zu durchschneiden, keine Straße zu eröffnen, das machte der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Jan Mücke im Rathaus schnell klar: »Ich habe keinen Scheck dabei«. Vielmehr schaute der FDP-Mann vorbei, weil er sich ein Bild davon machen wollte, wie dringend Lichtenstein den Albaufstieg braucht.

Der Staatssekretär, der gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Pascal Kober und dem Landtagsabgeordneten Hagen Kluck zuvor auch schon in Reutlingen war und sich dort unter anderem über den Bau des Scheibengipfeltunnels hatte informieren lassen, bezog klar Position: »Der Albaufstieg der B 312 ist absolut notwendig.« Die Bundesregierung habe sich vorgenommen, die Kommunen vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Das hörten Lichtensteins Bürgermeister Helmut Knorr und die Fraktionschefs im Lichtensteiner Gemeinderat sowie Landrat Thomas Reumann durchaus gern. Mücke schob aber auch nach: »Es ist wichtig, dass man sich in der Region auf eine Variante einigt.«
»Unser Ziel ist es, möglichst viel Verkehr auf die Schiene zu bringen«
 

Zuvor hatte Bürgermeister Knorr noch mal die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten zusammengefasst, die Entscheidungen des Lichtensteiner Gemeinderats dargelegt und erklärt, warum sich Gemeinde und Regierungspräsidium (RP) über eine Trasse bisher nicht einig wurden. Jetzt sei es wichtig, dass das Planungsverbot für das RP aufgehoben werde. Letztlich brauche die Gemeinde aktuelle verlässliche Bewertungen, um sich mit der Behörde über den Straßenverlauf zu einigen,

Dabei müsse auch berücksichtigt werden, ob eine Regionalstadtbahn und die vom RP bisher favorisierte Variante 1 durch den Ort sich nicht gegenseitig ausschlössen. Reumann hatte nachdrücklich deutlich gemacht, dass die Region beides brauche, eine Regionalstadtbahn und einen Albaufstieg. Die Projekte dürften sich nicht gegenseitig ausschließen. Damit rannte er offene Türen bei Mücke ein: »Unser Ziel ist es, möglichst viel Verkehr auf die Schiene zu bringen. Ich kann Sie nur ermutigen, beide Projekte voranzutreiben.« Denn letztlich gelte es, die Mobilität für alle und das zu einem bezahlbaren Preis zu erhalten, betonte der FDP-Vertreter weiter.
»Der Bund kann nicht der Schiedsrichter sein«
 

Und darf das Regierungspräsidium jetzt weiter am Albaufstieg planen? Für Hagen Kluck hat das Mücke in Aussicht gestellt, als der Staatssekretär sagte: »Aus meiner Sicht steht einer Planung nichts im Wege, da lässt sich eine Lösung finden.« Ganz so optimistisch haben es die Gemeinderäte nicht aufgenommen, wie nach dem Gespräch deutlich wurde. Denn wie's jetzt weiter geht, ist offen. Darf das Regierungspräsidium jetzt mit uns reden? Und wenn ja, wer sagt es ihm? Diese oder ähnliche Fragen tauchten auf, als der FDP-Tross nach einer Stunde eilig weiter zog. Der nächste Termin wartete schon in Tübingen.

Froh waren die Bürgervertreter auf jeden Fall, dass sie mit Landrat Thomas Reumann einen starken Partner an ihrer Seite wissen, wenn es gilt, das Projekt Albaufstieg in den vordringlichen Bedarf des nächsten Bundesverkehrswegeplans zu bringen. Reumann hat im Gespräch mit Mücke eine Offenheit für das Anliegen der Region entdeckt und auch »kein K.o.-Kriterium« gegen die neue Straße herausgehört. Ziel müsse es sein, dass Scheibengipfeltunnel, die Umfahrung Pfullingen und der Albaufstieg als Gesamtmaßnahme gesehen werden, forderte Reumann. Und Bürgermeister Knorr sagte: »Wir brauchen zeitnah eine Übereinkunft mit dem Regierungspräsidium.« Denn eines hatte Mücke betont: »Der Bund kann nicht der Schiedsrichter sein: Sie müssen sich einigen.« (GEA)



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