Weltspiegel
Gesundheit - Der Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm krempelt die Nahrungspyramide um. Wer nicht die Tour de France fährt, braucht keine Nudeln

Umdenken statt darben

Fett macht fett, Vollkornprodukte machen satt. Das ist der Grundgedanke, auf dem die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) basieren. Und obwohl die Menschen körper- und figurbewusst sind, die große Mehrheit schon mehr als eine Diät hinter sich hat, gibt es in der westlichen Wohlstandswelt immer mehr Übergewichtige.

Viel Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und wenig Kohlenhydrate - ­ das sind die Bausteine gesunder Ernährung nach der Logi-Methode.	FOTO: PROJECT PHOTO
Viel Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und wenig Kohlenhydrate - ­ das sind die Bausteine gesunder Ernährung nach der Logi-Methode. FOTO: PROJECT PHOTO
Mit provokativen Buchtiteln wie »Ein Mammut auf den Teller« und »Die Logi-Methode« mischt der Münchner Autor und Ernährungsberater Dr. Nicolai Worm seit einiger Zeit die Szene auf. Nach langer Recherche hat er die fast schon zementierte Ernährungspyramide kurzerhand umgekrempelt.

Nach seinen Erkenntnissen ist unsere kohlehydratreiche Kost der Anfang vielen Übels, darunter die Zivilisationskrankheiten Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck. Was Diät- und Ernährungsberater jahrzehntelang predigten - Fettverzicht, ballaststoffreiche, kohlehydrathaltige Ernährung - lässt Worm nicht länger gelten. Eiweiß und gute Fette machen bei ihm den Großteil der Ernährung aus, Kohlehydrate verlieren an Bedeutung. Im Vergleich dazu die Empfehlungen der DGE: Viele Kohlehydrate, weniger Fett und Eiweiß.

Obst und (kohlehydratarmes) Gemüse dienen bei Worm als Basis für die tägliche Ernährung, dann kommen Fleisch, gute Fette (Oliven- und Rapsöl), Käse, Milchprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte. Die kleinste Rolle spielen die stärkehaltigen Lebensmittel - Kartoffeln, Reis, Nudeln, Vollkornbrot. Süßigkeiten, Weißbrot und Zucker sollten auf ein Minimum reduziert werden.

Eiweiß sättigt

Seine Behauptungen belegt Worm mit zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die Literaturliste am Ende einer Bücher zieht sich über Seiten. Worm selbst stellt sich selbst als lebenden Beweis für den Erfolg der Logi-Methode dar. Jojo-Effekt erfahren glaubte er schon gar nicht mehr ans Abnehmen. Doch mit der Ernährungsumstellung schmolzen die Pfunde langsam aber dauerhaft.

Logi steht für »Low Glycemic Index«, zu deutsch »niedriger Glykämischer Index«. Charakteristisch für die Ernährung ist die geringe Blutzuckerwirkung der Lebensmittel. Starke Blutzuckerschwankungen werden vermieden, der Insulinspiegel im Blut bleibt relativ nieder.

Müssen viele Kohlehydrate verarbeitet werden, steigt der Blutzuckerspiegel stark an, zum Abbau wird Insulin ausgeschüttet. Wenn der Blutzuckerspiegel dadurch schnell wieder abfällt, stellt sich ein Hungergefühl ein. Bei niedriger Kohlehydratzufuhr steigt der Blutzuckerspiegel weniger stark an, das heißt, die Bauchspeicheldrüse kann sich erholen. Das Hungergefühl bleibt länger aus, man isst weniger.

Seine Überzeugungen sieht Worm in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit begründet. Genetisch habe sich der Mensch seit seiner Zeit als Jäger und Sammler nicht weiterentwickelt, seine Ernährung allerdings hat sich besonders in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. Kohlenhydrate in den Mengen, wie wir sie heute zu uns nehmen, weil sie vermeintlich schnell Energie liefern und überall zu bekommen sind, seien für den Menschen nicht vorgesehen.

Essen mit Genuss

In seinem Buch »Glücklich und schlank. Die Logi-Methode in Theorie und Küche« findet sich eine Reihe Rezepte für eiweißreiche Gerichte. Und da Logi mit guten Fetten nicht geizt, ist auch an Geschmacksträgern kein Mangel. Wer mit diesem Buch kocht, macht keine Diät voller Entbehrungen sondern stellt seine Ernährung langfristig und mit Genuss um. Fisch und möglichst »bewegtes« Fleisch - keines aus Getreidemast - Sojaprodukte, ein buntes Sortiment aus Hülsenfrüchten und Nüsse spielen als Zutaten eine große Rolle.

Die Alltagsempfehlung des Reutlinger Ernährungs- und Fitnessberaters Thomas Jacobi, der nach der Logi-Methode arbeitet, ist es, sich zu überlegen, welche Lebensmittel schon unseren Ururahnen zur Verfügung standen und entsprechend naturnahe, wenig verarbeitete Produkte auf den Speiseplan zu setzen.

Zudem braucht unser Körper eine gewisse Menge an Bewegung. Diese macht die Zellen hungrig, sodass sie leichter Zucker aus dem Blut aufnehmen. Der logische Schluss: Erst bewegen, dann essen!

Die in Fettzellen, Leber und Muskeln gespeicherte Energie reicht für (normale) sportliche Bewegung vollkommen aus. Sie muss nicht aus Kohlehydraten nachgeliefert werden - wenn nicht gerade die Tour de France ansteht. Umso mehr, da der Fettstoffwechsel erst anspringt, wenn keine Kohlehydrate mehr zu verwerten sind und der Insulinspiegel normal ist. Und das hilft auch bei der Gewichtsreduktion. (mir)

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