Politik
Israel - Nach Ariel Scharons Erkrankung ist Ehud Olmert Regierungschef. Er könnte es auch bleiben

Weder geliebt noch gehasst

JERUSALEM. Er gilt als fähiger und pragmatischer Politiker - was dem amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert aber nach Ansicht vieler Kommentatoren fehlt, ist das Charisma des erkrankten Regierungschefs Ariel Scharon. Mit Blick auf die Parlamentswahl am 28. März wird deshalb immer öfter die Frage diskutiert, was aus der von Scharon gegründeten Partei Kadima wird und ob der 60-jährige Olmert der Mann sein wird, der sie mit Erfolg weiterführen kann, wenn sich Scharon nicht von seinem Schlaganfall erholen sollte.

In ersten Umfragen in der vergangenen Woche zeichnete sich noch ab, dass Kadima auch ohne Scharon klar stärkste Partei würde. Mit Olmert, einem politischen Weggefährten von Scharon an der Spitze, käme die Partei auf 40 der 120 Parlamentssitze, auch als Kandidat für das Ministerpräsidentenamt könnte sich Olmert wohl durchsetzen. Als stärkste innerparteiliche Rivalin gilt dabei Justizministerin Tsipi Livni.

Die Kommentatoren verweisen darauf, dass die politische Lage in Israel derzeit im Fluss ist und dass noch nicht abzusehen ist, wie sich die Partei in der Zeit bis zu den Wahlen entwickeln wird. Viele der potenziellen Wähler und etliche der Politiker, die sich Kadima anschlossen, hätten dies vor allem wegen Scharon getan, nicht wegen der Partei.

Bürgermeister von Jerusalem

»Er (Olmert) ist als gewandter und fähiger Politiker bekannt«, sagt der Politikwissenschaftler Menachem Hofnung von der Hebräischen Universität in Jerusalem. »Die Menschen haben schon immer seinen Verstand geachtet, auch wenn sie seine Persönlichkeit nicht mochten. Er ist sehr direkt und nicht besonders herzlich im Umgang mit den Menschen.« Als amtierender Regierungschef könne Olmert die Menschen von seinen Führungsfähigkeiten überzeugen, sagt der Kommentator Gadi Wolfsfeld. »Niemand mag ihn richtig, aber es hasst ihn auch niemand, deshalb hat er eine Chance, die Öffentlichkeit zu überzeugen«, sagt Gadi.

Olmert wurde erstmals mit 28 Jahren ins Parlament gewählt, wo er sieben Amtszeiten als Abgeordneter tätig war und auch Posten in mehreren Ministerien innehatte. Mehrere Male wurde gegen ihn wegen Korruption ermittelt, ein Fehlverhalten wurde aber nicht festgestellt.

Auch international bekannt wurde er dann 1993, als Olmert zum Bürgermeister von Jerusalem gewählt wurde. Zehn Jahre übte er dieses Amt aus. In dieser Zeit wandelte er sich auch vom Falken, der den Ausbau der Siedlungen in den besetzten Gebieten im Gazastreifen und im Westjordanland forderte, zu einem Befürworter eines teilweise Rückzugs aus diesen Gebieten. (GEA/AP)
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