Straßenkinderprojekt - Der zwanzigjährige Jonathan Wagner aus Gomadingen war als Praktikant fünf Wochen in Kenia. Die Menschen hinter den Berichten kennengelernt

Karais Kühe geben jetzt mehr Milch

GOMADINGEN. »Jetzt kenne ich die Menschen, die hinter den Berichten aus Karai stehen«, sagt der 20-jährige Jonathan Wagner, der vor Kurzem von einem fünfwöchigen Aufenthalt im Straßenkinderprojekt in Kenia zurückkam. Und er schwärmt von der Herzlichkeit, mit der ihn Kinder, Jugendliche und Personal empfangen haben: »Man ist da und man ist zu Hause.«

Zwei bekannte Gesichter hat er außerdem vorgefunden: Antony und Evans, die vor vier Jahren auf dem elterlichen Hof in Gomadingen zu Gast gewesen sind. Den Highschool-Abschluss in der Tasche, verdient Antony mit Herstellung und Verkauf von Kunsthandwerk in Mombasa bereits seinen Lebensunterhalt, während Evans die berufliche Schule des Projektes besucht - eine ungewöhnliche Karriere für zwei ehemalige Straßenkinder.

Etwas zurückgeben können

Jonathan Wagner, der gerade seine Lehre als Mechaniker für Land- und Baumaschinen abgeschlossen hat und auf einen Studienplatz wartet, ist sich bewusst, wie vom Glück begünstigt sein eigenes Heranwachsen auf der Alb dagegen war und ist. Das Projekt des Kirchenbezirks Münsingen erschien ihm als ideale Möglichkeit, etwas davon »zurückgeben« zu können. Zumal ein gewisser Hang zu afrikanischen Abenteuern in der Familie liege. Der »Missionsgedanke« ist im Jugendkreis Bernloch-Meidelstetten gewachsen. Mit dem konkreten Auftrag, die Kühe im Projekt in Karai zu höherer Milchleistung zu bringen, ist Jonathan Wagner Ende März zusammen mit Birgit Zimmermann nach Kenia geflogen.

Er hat es geschafft, indem er sich bei einem großen Farmer am Ort umschaute. Nebenbei hat er die Überzeugung gewonnen, dass es in Kenia gute Bedingungen für eine erfolgreiche Landwirtschaft gibt, wie zum Beispiel »fünf Meter tiefe Böden«, von denen ein Albbauer nur träumen könne. Oder Maisanbau ohne Mineraldünger und Maschinen, dennoch mit riesigen Pflanzen. Dazu »ausgeklügelte Anbaumethoden«, die bis zu drei Ernten im Jahr ermöglichen. Andererseits gibt es hier einen Milchpreis, der fast halb so hoch ist wie der Stundenlohn eines einfachen Arbeiters.

Dank der Aschewolke wurde Jonathan Wagners erstes und sicher nicht letztes Afrikaabenteuer um eine Woche verlängert. Dafür hat er in der Beruflichen Schule außer frisch gestrichenen Möbeln auch eine reparierte Hobelbank hinterlassen. Seinen Erfahrungen über Land und Leute hat er eine »wunderschöne« Wanderung ins Massailand hinzugefügt, das nahe Karai beginnt. (ig)



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