Fotografie - Jugendliche des Technischen Hilfswerks Münsingen bei der Ausstellung »richtig falsch« in Frankfurt
Fälschen wie die Profis
MÜNSINGEN/FRANKFURT. Dass das nicht richtig sein kann, sieht jeder: Einer nach dem anderen der drei jungen Balken-Träger in ihrer blauen THW-Kluft scheint über die Lücke im Gerüst zu schweben. Die Bilderserie der Jugendlichen des Technischen Hilfswerks Münsingen ist aber »richtig falsch« - der mit einem sechsten Preis ausgezeichnete Beitrag zu einem ungewöhnlichen Wettbewerb.
Mit ihrer manipulierten Fotoserie haben die Jugendlichen des THW Münsingen selbst einen Fachmann des Landeskriminalamts verblüfft. Zu sehen sind die Bilder in Frankfurt. FOTO: PR
Unter dem Titel »richtig falsch« hatte das »Docma« - »Doc Baumanns Magazin für professionelle Bildbearbeiter« - im vergangenen Jahr seinen siebten Wettbewerb ausgeschrieben. Gefragt waren möglichst perfekte digitale Bildfälschungen, und rund 150 Profis und Amateure legten sich dafür ins Zeug. Ziel der Aktion war es, zu sensibilisieren: In der Zeit von digitalen Fotos und preisgünstigen Bildbearbeitungsprogrammen ist das »Korrigieren« von Bildern nicht mehr nur die Sache von Fachleuten. Was beim eigenen Urlaubsfoto unbedenklich sein mag, ist beim gefälschten, angeblich dokumentarischen Bild nicht mehr zu tolerieren.
Studienobjekt für die Polizei
Deshalb wurden die Einsendungen zum »Docma«-Award nicht nur einer fachkundigen Jury vorgelegt, sondern dienten auch Gutachtern verschiedener Organisationen und Experten der Kriminalpolizei als Studienobjekte. Im Frankfurter Museum für Kommunikation sind die gefälschten Bilder jetzt noch bis 24. Mai zu sehen.
Experten ausgetrickst
Zur Ausstellungseröffnung, die der Bildbearbeitungs-Papst Hans »Doc« Baumann vornahm, war auch eine Gruppe der Münsinger THW-Jugend nach Frankfurt gereist. Die zwölf- bis sechzehnjährigen Junghelfer fielen unter den professionellen Wettbewerbsteilnehmern auf und konnten sofort ihrem Exponat zugeordnet werden. Frank Kürpiers vom Landeskriminalamt Hessen, der zum Auftakt einen Vortrag über die Manipulation von Digitalfotos und die Bildforensik als neue Disziplin der Kriminaltechnik hielt, berichtete den jugendlichen Teilnehmern im persönlichen Gespräch, dass er bei der Beurteilung der Münsinger Exponate der felsenfesten Überzeugung war, dass diese Bilder durch Bildmontage zustande gekommen waren. Auf die eigentlichen Kniffe der THW-Jugend war er nicht gekommen.
Fasziniert ließen sich zahlreiche Ausstellungsbesucher von den Jugendlichen immer wieder erklären, wie diese Bilder überhaupt entstehen konnten, welche Tricks angewendet wurden, um schon bei der Aufnahme der Fotos die Betrachter zu täuschen. Jugendbetreuer Dominic Claß erläuterte die digitalen Techniken, mit welchen dann selbst die professionellen Begutachter getäuscht worden waren. (v/GEA)
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