Sport

»Wahre Helden« - Amateurschiedsrichter häufig Opfer von Gewalt

Von Oliver Schmale, dpa

TÜBINGEN. Beim Fußball geht es oft hoch her. Das bekommen auch Schiedsrichter zu spüren. Fast jeder fünfte in Württemberg ist laut einer Forschungsarbeit schon einmal tätlich angegriffen worden.

Bundesliga-Schiedsrichter Knut Kircher stand den Projekt-Teilnehmern von »Kicken und Lesen« Rede und Antwort.  GEA-FOTO: STÖHR
Bundesliga-Schiedsrichter Knut Kircher stand den Projekt-Teilnehmern von »Kicken und Lesen« Rede und Antwort. (Archiv-Foto) FOTO: Ines Stöhr
Gewalt und Pöbeleien auf dem Fußballplatz von Fans untereinander und gegen Schiedsrichter sind ein Dauerbrenner. Der FIFA-Schiedsrichter Knut Kircher hat am Donnerstag zu einem respektvollen Umgang mit den Unparteiischen aufgerufen. »Mir tut jeder Schiedsrichter leid, der blöd angegangen wird, egal in welcher Liga«, sagte er in Tübingen. Dort wurden erste Ergebnisse einer Doktorarbeit über Gewalt im Amateurfußball in Württemberg vorgestellt. Sie hatte speziell die Schiedsrichter im Blick. »Auch auf dem Dorfplatz muss ein Schiedsrichter respektvoll behandelt werden«, erklärte Kircher.

Fast jeder fünfte ist schon einmal Opfer körperlicher Gewalt geworden. 17,3 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bereits ein- oder mehrmals tätlich angegriffen wurden, berichtete die Autorin Thaya Vester vom Institut für Kriminologie der Universität Tübingen. Sie befragte für ihre Arbeit 2600 Schiedsrichter im Bereich des Württembergischen Fußballverbands (WFV). Beleidigungen seien fast schon an der Tagesordnung. »Die Beleidigung ebnet den Weg zur Bedrohung«, erklärte die Soziologin Vester.

Profi-Schiedsrichter Kircher sieht in den ehrenamtlichen Unparteiischen im Amateurfußball »die wahren Helden«. Den Angaben zufolge gibt es im Bereich des WFV rund 7000 Referees, die dafür sorgen, dass der Spielbetrieb jedes Wochenende reibungslos von statten geht. In den Niederlanden hatten jugendliche Amateurfußballer im Dezember einen Linienrichter tot geprügelt. Die Tat hatte über die Landesgrenzen hinweg schockiert.

Der WFV sieht im Kampf gegen die Gewalt auf Fußballplätzen eine Daueraufgabe. Präsidiumsmitglied Wolfgang Zieher sagte, dass Thema sei nicht von heute auf morgen zu erledigen. »Fußball ist ein Spiel voller Emotionen.« Jeder einzelne Fall von Gewalt sei einer zu viel. »Es gilt zu vermeiden, dass die Schiedsrichter die Pfeife an den Nagel hängen, weil sie sich nicht mehr sicher fühlen«, sagte Zieher weiter.

Zu Beginn der Saison 2010/2011 hatte der Verband die Regeln geändert und in Württemberg den Handschlag vor dem Spiel zwischen den Spielern und dem Schiedsrichter eingeführt. Ferner wurde eine Coaching-Zone eingerichtet sowie die umstrittene Kennzeichnungspflicht der Ordner.

Der Handschlag und die Coaching-Zone wurden von den Schiedsrichtern begrüßt. Das Thema Ordner und deren Auswahl hat es jedoch in sich. Laut der Erhebung wird von den Schiedsrichtern unter anderem bemängelt, dass sie ihre Aufgabe mit mangelnder Ernsthaftigkeit betrieben, parteilich oder unzureichend geschult seien. (dpa)

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